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Die Feste nach dem Ritus der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien

Von Benyamin Tutuk, syrisch-orthodoxer Religionslehrer

 

 


Die christlichen Feste werden nach ihrer Ordnung und Reihenfolge wie folgt unterschieden in (I.) Herrenfeste und (II.) Gedenken:

I. Herrenfeste:
Diese sind Feste des Herrn Christus, in denen wir seine erlösenden Werke gedenken und wir das göttliche Wirken betrachten.

Die Herrenfeste (I.) unterteilen sich in zwei: (A) große und (B) kleine Herrenfeste:

(A) Die großen Herrenfeste:
Die "großen Herrenfeste" wurden von den heiligen Aposteln und von ihren ersten Jüngern
(s. Didaskalia) festgelegt . Diese sind sieben:

 

1.       Das Fest der Verkündigung = `ido da-sbartho

2.      Das Fest der Geburt unseres Herrn Jesus (dem Fleische nach) = `ido d-maulode d-moran dba-bsar

3.      Das Fest der Taufe unseres Herrn = `ido da-`mode d-moran yeschu`

4.      Das Hosanna-Fest (Palmsonntag) = `ido d-uscha`ne

5.      Das Fest der Auferstehung = `ido da-qyomto

6.      Das Fest des Aufsteigens (Christi Himmelfahrt) = `ido d-suloqo

7.      Das Pentakoste-Fest (Pfingstfest) = `ido d-fantiqusti

 

(B) Die kleinen Herrenfeste:
Die "kleinen Herrenfeste" sind vier:

 

  1. Das Fest der Beschneidung des Herrn Christi = `ido da-gzurte d-moryo mschiho
  2. Das Fest des Einzugs Jesu in den Tempel = `ido d-ma`alte d-yeschu` dal-haiklo
  3. Donnerstag der Mysterien (Sakramente) / Donnerstag des Pessah = hamscho d-roze aw d-fesho
  4. Das Fest der Laubhütten (Laubhüttenfest) = `ido da-mtale

 

Zu den „kleinen Herrenfesten“ werden angefügt:

 

·       Das Fest des Kreuzes = `ido da-slibo

·       und das Fest des neuen Sonntages / der weißen Sonntage = w-hadbschabo hatho / d-hewore (s. Anm. 1)

 

Ferner schreibt Moses bar Kepha (+ 903), der „einer der autoritativsten Gelehrten, ein etablierter Philosoph und Theologe, ein großer malphono (Doktor) der Kirche" ist (s. Anm. 2), über die Größe und Erhabenheit des Festes der Auferstehung unseres Herrn folgendes:

 

"Dieses Fest [der Auferstehung unseres Herrn] ist größer und erhabener als alle menschlichen Feste und auch über alle restlichen Feste Christi." (s. Anm. 3)

 

Moses bar Kepha begründet dies, weil die anderen Feste aufgrund von diesem Fest sich ereigneten und nicht dieser aufgrund jener. Denn der Gott-Logos (das Wort) hat Fleisch angenommen und wurde geboren, damit er gekreuzigt wird, stirbt, aufersteht und uns errettet und nicht aufgrund, dass er geboren ist er gekreuzigt, gestorben und auferstanden. Die Geburt Jesu geschah aufgrund der Auferstehung und nicht die Auferstehung aufgrund der Geburt Jesu. Jesus taufte sich und vollbrachte Zeichen und Wunder, damit er stirbt, aufersteht und uns rettet. Denn seine Taufe geschah aufgrund seiner Auferstehung und nicht seine Auferstehung aufgrund seiner Taufe. Er ist Fleisch geworden, damit er stirbt, aufersteht und uns rettet und nicht aufgrund, dass er Fleisch wurde, ist er gestorben und auferstanden.
Die Intension unseres Herrn in seiner Inkarnation (Menschwerdung) und seinen Festen ist, dass er den Satan und den Tod und die Sünde tötet und uns errettet. Dies wurde durch seine Auferstehung erfüllt wie Paulus sagte: „um durch seinen Tod den zu vernichten (entmachten), der die Gewalt über den Tod hat, dass ist der Satan (Teufel), und um die zu befreien, die durch die Furcht vor dem Tod der Knechtschaft verfallen waren.“ (Heb 2,14-15)
Demzufolge ist dieses Fest der Auferstehung höher und erhabener und größer als alle menschlichen und christlichen Feste
(s. Anm. 4).

 

 

II. Gedenken:
Diese sind Feste und Gedenken der Jungfrau Mariä, der Märtyrer und der Heiligen.
II. Gedenken
(s. Anm. 1):

Die Feste der Jungfrau Mariä
(s. Anm. 5):

 

·       Das Fest der Geburt der Mariä - 8. September

·       Eintritt der Jungfrau Maria in den Tempel – 21. Nov (s. Anm. 6)

 

Ebenso wurden für die Jungfrau Maria drei Feste eingerichtet. Auf den Monat Januar wurde das Gedenken des Saatgutes, auf den Monat Mai der Ähren und auf den Monat August des Weinstockes gelegt (s. Anm. 7). Alle diese drei Festtage fallen auf den 15. Tag des jeweiligen Monats:

 

·       Fest der Jungfrau Mariä, um ihre Fürbitte für das Saatgut zu erflehen) - 15. Januar

·       Gedenken der Jungfrau Mariä, um ihre Fürbitte für die Segnung der Ähren zu erflehen - 15. Mai

·       Gedenken der Jungfrau Mariä, um ihre Fürbitte für den Weinstock zu erflehen - 15.      August

 

Þ      Fest des Hinübergehens/Entschalfens [schunoyo] der Mariä (Mariä Aufnahme in den Himmel - Mariä Himmelfahrt) –  15.August

 

An der Stelle der Segnung des Weinstockes am 15. August wurde das „Fest des Hinübergehens der Mariä“ (Mariä Himmelfahrt) eingeführt (s. Anm. 8). Die Kirche hatte die Jungfrau Ende August mit dem „Fest des Gürtels“ gedacht. Da dieser aber nahe dem Fest des Aufsteigens (Christi Himmelfahrt) lag, wurde er im Laufe der Zeit vernachlässigt (s. Anm. 9).

 

Die Kirche begeht zusätzlich für die heilige Jungfrau Mariä folgende Feste:

 

·       Fest der Glorifizierung der Mariä (zur Geburt ihres Sohnes bzw. der Fleischwerdung Jesu) - zweiter Tag der Geburt des Herrn - 26. Dezember

·       Fest der Glorifizierung der Mariä (zur Auferstehung ihres Sohnes) - am zweiten Tag der Auferstehung unseres Herrn (= 2. Ostertag)

·       Gedenktag der ersten Kirche (in Jethreb), die auf den Namen Mariä errichtet wurde - 15. Juni

 

Einer der bekanntesten Festtage des Christentums:

 

·       Gedenken der Verkündigung Mariä (an dem die göttliche Empfängnis Mariä offenbart wurde) – 25.März

 

Außerdem legte die Kirche zu Beginn des Kirchenjahres die so genannten Sonntage vor dem Fest der Geburt (Vorweihnachtssonntage) fest. Davon sind:

 

·       Sonntag der Verkündigung der Jungfrau Mariä

·       Sonntag des Besuches Mariä bei Elisabeth (Mariä Heimsuchung)

·       Sonntag der Offenbarung des Josefs (, an dem der Engel Joseph, dem Verlobten Mariä, die Reinheit bzw. die Unschuld Mariä bezeugte und ihm das göttliche Geheimnis enthüllte, dass der, der in Maria Wohnung genommen hat, vom Heiligen Geist ist.) (s. Anm. 10)

 

Über den Zyklus der Feste beschloss die Heilige Synode am 07.12.1932 bezüglich der Feste der Jungfrau: „Die Feste der Jungfrau sind vier: (1.) ihre Glorifizierung am 26. Dezember, (2.) die Segnung des Saatgutes am 15.Januar, (3.) ihre Geburt am 8. September und (4.) ihr Entschlafen (Mariä Himmelfahrt). Die restlichen sind lediglich Gedenken.“

 

 

Die restlichen Heiligenfeste:
Auch der gegenwärtige Patriarch, Seine Heiligkeit Moran Mor Ignatius Zakka I. Iwas, bezieht sich auf Patriarch Aphrem I. Barsaum (1887-1957), der in seinem Buch simto ruhonoyto über den Rest der Heiligenfeste schreibt
(s. Anm. 11):

 

·       Gedenken der Ermordung der Kinder – 27. Dezember

·       Fest des Martyriums des heiligen Johannes des Täufers – 07. Januar

·       Gedenken des heiligen Stefanos, Erzdiakon und Erstling der Märtyrer – 08. Januar

·       Gedenken des heiligen Barsaumo (+ 457), Haupt der Anachoreten – 03. Februar

·       Gedenken der 40 Märtyrer von Sebaste – 09. März

·       Fest des Märtyrers Georg – 23. April (im Irak am 24. desselben Monats oder an einem Datum ihn zu gedenken, den Gemeinden bestimmten, welche auf seinen Namen errichtet wurden)

·       Fest der Apostel-Häupter des heiligen Petrus und des heiligen Paulus (es ist das Fest der Begründer des apostolischen Stuhls von Antiochien) – 29. Juni

·       Fest des heiligen Apostel Thomas (das Gedenken der Überführung seiner Gebeine von Indien nach Edessa) (+ 75) – 03.Juli

·       Gedenken der Märtyrer der heilige Kuryakos (301) und seiner Mutter Yuliti (+ 304)

·       Gedenken des heiligen Behnam und seiner Schwester Sarah und der 40 Märtyrer, seinen Freunden – 10. Dezember

 

Die beweglichen und nicht zeitlich fixierten Feste:

 

·       Gedenken des Heiligen Severius (459-538), dem Bekenner und Patriarchen und Universallehrer – Donnerstag nach dem Ninive-Fest

·       Gedenken des Heiligen Ignatius des Erleuchteten – Donnerstag nach dem Ninive-Fest

·       Fest des heiligen Ephrem (303-373) und des heiligen Märtyrers Theodorus

·       Gedenken der Erhöhung (Aufrichten) des Kreuzes und des Königs Abgar – am Mittwoch in der Mitte des Fastens

·       Gedenken aller Confessoren (Bekenner) auch „Freitag der Confessoren“ genannt – am Freitag nach dem Auferstehungsfest

·       Fest des heiligen Barsaumo, Bischof von Kafratut, Haupt der Anachoreten – am Donnerstag, der dem Donnerstag des Aufsteigens unseres Herrn in den Himmel erfolgt, er ist der Donnerstag vor dem Pentakoste-Fest (Pfingstfest)

 

Diese erwähnten Feste und Gedenken sind alle „allgemeine“. Ferner gibt es regionale Gedenken und spezielle. Diese werden im Buch simto ruhonoyto eigens in einem Kapitel getrennt (s. dort).

 

 

Die Bezeichnung der Sonntage nach dem Kirchenzyklus:

 

·       Fest des heiligen Barsaumo, Bischof von Kafratut, Haupt der Anachoreten – am Donnerstag, der dem Donnerstag des Aufsteigens unseres Herrn in den Himmel erfolgt, er ist der Donnerstag vor dem Pentakoste-Fest (Pfingstfest)

·       Beginn des Kirchenjahres und somit 1. Sonntag des Kirchenjahres: Konsekration (Heiligung) der Kirche - acht Sonntage vor dem Fest der Geburt unseres Herrn

·       2. Sonntag: Erneuerung der Kirche

·       3. Sonntag: Verkündigung Zacharias

·       4. Sonntag: Verkündigung der Jungfrau

·       5. Sonntag: Besuch Mariä (Mariä Heimsuchung)

·       6. Sonntag: Geburt des Johannes

·       7. Sonntag: Offenbarung Josefs

·       8. Sonntag: Sonntag vor der Geburt unseres Herrn im Fleisch

·       2. Sonntag nach der Geburt

·       Sonntag nach der Epiphanie (Taufe Christi)

·       Sonntag nach der Epiphanie

·       Sonntag nach der Epiphanie

·       Sonntag nach der Epiphanie

·       Sonntag nach der Epiphanie

·       Sonntag der Priester

·       Sonntag der Entschlafenen (Verstorbenen)

 

Im Irak jedoch der Freitag der Priester und der Freitag der fremden Entschlafenen (Ver storbenen) und der Freitag der allgemeinen Entschlafenen (Verstorbenen)

 

·       Nun folgen die sechs Sonntage des großen Fastens

·       Hosanna-Sonntag (Palmsonntag)

·       Sonntag der Auferstehung

·       Neue Sonntag / Sonntag der Weißen: 1. Sonntag nach der Auferstehung

·       2. Sonntag nach der Auferstehung

·       3. Sonntag nach der Auferstehung

·       Sonntag nach der Auferstehung

·       Sonntag nach der Auferstehung

·       Pantakoste-Sonntag (Pfingstsonntag)

·       Die restlichen Sonntage bis zum Kreuzfest sind der Auferstehung gewidmet.

·       Die Sonntage, die dem Kreuzfest folgen, werden als „allgemeine Sonntage“ bezeichnet.

 


Anmerkungen

(1)     Vgl. hierzu die Abhandlung über die Feste geschrieben von Seiner Heiligkeit Patriarch Moran Mor Ignatius Zakka I. und im Patriarchaljournal veröffentlicht wurden. Diese Abhandlung gehört zu einer Reihe theologischer Vorträge, die ins Syrische durch den (damaligen) Sekretär des Patriarchen, seine Eminenz Mor Clemis Eugene Kaplan (am 12.04.1991 geweiht für das Bischofsamt des Patriarchat-Vikariats für den Westen der USA) übersetzt wurden.

(2)     Vgl. [Patr.] Aphrem I. Barsaum, berule b-dire [Die zertreuten Perlen], 378.

(3)     Moses bar Kepha, kthobo d-turgome. [Manuskript], 204-205.

(4)     Vgl. Moses bar Kepha, kthobo d-turgome. [Manuskript], 204-205.

(5)     Vgl. hierzu: [Patr.] Zakka I. Iwas, [Aufsatz] Die Heilige Junfrau Mariä in der Syrisch-Orthodoxen Kirche, Patriarchaljournal, 1982. Übersetzt von Amil Gorgis und veröffentlicht auf der Internetseite: http://www.suryoyo.uni-goettingen.de/library/jungfraumaria.pdf, 21.09.2001.

(6)     Johannes Madey schreibt hingegen vom Fest der „Darbringung“ der Jungfrau Maria in den Tempel (vgl. Johannes Madey, Anaphora. Die göttliche Liturgie im Ritus der Syro-Antiochenischen Kirche und der Malankarischen Kirche, 17.), statt vom „Eintritt“ der Jungfrau Maria in den Tempel, wie auch Patr. Zakka I. Iwas schreibt (Datum fehlt vgl. Anm. 5, 1.) und auch im Kalender der Malankarischen Kirche Indiens mit dem Namen „Eintritt der Jungfrau Maria - 21.Nov.“ (vgl. http://sor.cua.edu/Calendar/2009.pdf, 11.) verzeichnet wurde.     

(7)     Vgl. Schhimo [=Tagesgebetsbuch], Montag, 1. nächtliche Wache, 4. Auflage, 1981, 15-16.

(8)     Vgl. [Patr.] Zakka I. Iwas, lampide d-`al urho [Die Leuchten über den Weg], Damaskus, 1974, 32.

(9)     Vgl. Patriarchales Rundschreiben (arabisch) über den Gürtel der Jungfrau, hrsg. [Patr.] Aphrem I. Barsaum, Homs, 1953, 21.

(10)  Vgl. [Patr.] Zakka I. Iwas, lampide d-`al urho [Die Leuchten über den Weg], 1974, 32-42.

(11)  Das Buch simto ruhonoyto. `al slutho qonunoyto [Der geistliche Schatz. Die Kanonischen Gebete] wurde vom Patriarchen Aphrem I. Barsaum geschrieben (arabisch). Aus dem Arabischen hat es ins Syrische Yuhanon Qermez (heute Priestermönch im Mor Gabriel Kloster, Turabdin-Türkei) übersetzt. Ins Deutsche wurde es von Amill Gorgis u. George Toro übersetzt (vgl. hierzu: [Patr.] Aphrem I. Barsaum, Die kanonischen Gebete, 110-116.).

 

 


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First Updated: 13. 05.2009
Last Updated:
15.05.2009
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