Gemeinsame Geschichte der syrischen Kirche mit dem Islam durch die Jahrhunderte

 
 
Autor
Seine Heiligkeit Mor Ignatius Zakka Iwas I.,
Patriarch von Antiochien und dem ganzen Osten und
Oberhaupt der universalen Syrisch-Orthodoxen Kirche.
 
Als Gastvortrag gehalten am 16.5.1995
an der Humboldt-Universität zu Berlin

Inhaltverzeichnis
  1. Einleitung
  2. Wer sind die Syrer?
  3. Religiöse und politische Zustände vor dem Erscheinen des Islam und die Spaltung der christlichen Kirche
  4. Das christliche Glaubensbekenntnis
  5. Die Spaltung der syrischen Kirche
  6. Die Haltung der Syrer gegenüber der arabisch-islamischen Eroberung
  7. Die religiöse Situation der Araber zur Zeit der Entstehung des Islam
  8. Der Islam nach Ansicht der Wissenschaftler der syrischen Kirche
  9. Die Syrer und die arabisch-mohammedanischen Eroberungen
  10. Die Syrer unter der mohammedanischen Herrschaft
  11. Der Umgang der Kalifen mit Syrern und anderen Christen
  12. Schlußwort

.
Eminenzen, Herr Dekan verehrte Professoren an der Humboldt-Universität zu Berlin,
meine lieben geistlichen Brüder und Priester, meine Damen und Herren
Im Namen des Vater des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Wir danken Gott für die Fülle seiner Gnade und für die Gelgenheit, daß wir hier unter Ihnen sein dürfen. Unser Dank gilt auch dem Dekan der theologischen Fakultät und den mit ihm wirkenden Herrn Professoren für die freundliche Einladung, diesen Vortrag halten zu können mit dem Thema:
"Kurzer Überblick über die gemeinsame Geschichte der syrischen Kirche
mit dem Islam durch die Jahrhunderte"
 

1. Einleitung

Bevor wir dieses wichtige Thema behandeln, wollen wir einen kurzen Überblick geben über die politischen und religiösen Zustände kurz vor dem Erscheinen des Islam - und zwar in den Ländern, in denen die syrische Kirche in der Frühzeit des Christentums entstand und in den Ländern, in denen der Islam nach mehr als 600 Jahren Christentum entstanden ist und sich ausbreitete. Wir werden die allgemeine Lage der Christenheit, die Spaltung der Kirche und ihre christologischen Kämpfe anschneiden, damit wir zu einem besseren Einblick in die Fundamente der Dogmen dieser beiden Religionen gelangen. Wir werden auch in großen Zügen einige Punkte erwähnen, in denen die christlichen und die islamischen Dogmen übereinstimmen.

2. Wer sind die Syrer?

Die Glieder der Syrisch-antiochenischen Kirche sind die direkten Nachfahren der Ureinwohner Syriens, des Libanon, Palästinas, Kleinasiens, sowie Ober- und Untermesopotamiens - also des heutigen Irak.
Ihre Sprache war die syrisch-aramäische Sprache, die Sprache des alten Syriens. Sie war auch die Sprache unseres Herrn Jesus Christus; sie ist die Sprache, die beim Erscheinen des Islam in jenen Gebieten überwiegend gesprochen wurde. Daneben wurde auch das Arabische gesprochen als die Sprache der von der arabischen Halbinsel kommenden Sippen, die lange vorher ausgewandert waren und in Siedlungen in den östlichen Gebieten Syriens und in den westlichen und nördlichen Teilen des Irak lebten. Diese Sippen benutzten neben dem Arabischen das Syrische als untrennbaren Teil der Syrisch-antiochenischen Kirche in der kirchlichen Liturgie.
Außer diesen Sprachen wurden auch Griechisch, die offizielle Sprache der byzantinischen Kolonialmacht sowie der Einwohner der Großstädte griechischen Ursprungs, und das Persische, die Sprache des sassanidischen Reiches, gesprochen.
 

3. Religiöse und politische Zustände vor dem Erscheinen des Islam und die Spaltung der christlichen Kirche

Zu Beginn des 7. Jahrhunderts kämpfte die syrisch-antiochenische Kirche mit allem, was in ihrer Macht stand, um ihre Existenz. Es galt, das syrisch-aramäische Erbe und die erhabenen, christlichen Dogmen, die sie von den seligen Aposteln und geistlichen, gerechten Vätern ererbt hatte, zu bewahren.
Sie wurde geschwächt durch die gewaltigen Verfolgungen der beiden Reiche - nämlich der Byzantiner und der Perser -, die sie seit Generationen aufgrund ihrer geographischen Lage in ihrer Existenz bedrohten. Durch die enorme Anzahl der Märtyrer, die sie im Laufe der Jahrhunderte hergab, gewannen ihre Glieder eine gewisse Langmut, die Drangsale, Nöte, Entbehrungen etc. als gute Soldaten Christi zu ertragen. Hinzukommt noch, daß das Auftreten von extremen Meinungen in der Religion und das Entfachen von dogmatischen Streitgesprächen ein Anlaß für sie war, sich in das Studium der Theologie zu vertiefen. Darüberhinaus trieb es ihre Wissenschaftler, die Theologie mit der Wissenschaft der Philosophie zu verbinden, um sie als eine Waffe gegen die herätischen Behauptungen zu verwenden und die Wahrheit der religiösen Dogmen zu verteidigen.
Die Syrer waren für ihre Liebe zur Wissenschaft bekannt, so daß sie neben jeder Kirche eine Schule gründeten 1.  Ihre Klöster wurden zu Fakultäten der Theologie und weiteren Wissenschaften. Die Kirche litt unter der Spaltung. Sie wandelte sich von einer geistlichen Institution, die nach der Erlösung der Seelen strebte, in ein Kriegsfeld, auf dem christologische Kämpfe rücksichtlos ausgetragen wurden. Ein Zustand, der Zweifel in den Herzen der Gläubigen entstehen ließ und zur Schwächung des Glaubens führte.
Hinzukommt noch, daß das Römische Reich sich nach Kaiser Konstantin in zwei Reiche teilte, nämlich in das weströmische - das lateinische - und das oströmische - das griechischsprachige, byzantinische Reich.
Die überwiegende Zahl der Länder Syriens befand sich unter der Herrschaft des oströmischen Reiches, während der Rest den Persern unterstand. Das byzantinische und das persische Reich befanden sich in ständigem Konflikt miteinander. Es ging dabei um die Vorherrschaft im Orient, was zwischen diesen beiden Mächten immer Anlaß zu Kriegen gab.

4. Das christliche Glaubensbekenntnis

Als Folge des Auftretens einiger, fremder, religiöser Ideen, die von den erhabenen Dogmen der Kirche abwichen, wurde das Glaubensbekenntnis auf den zwei ökumenischen Konzilen beschlossen, die in Nizäa 325 n.Chr. und in Konstantinopel 381 stattfanden.
Im ersten Konzil behauptete Arius, Jesus sei nichts weiter als der von Gott erschaffene Logos, den er zur Menscheit als religiösen Gesandten schickte, und er behauptete: "Der Vater existierte, bevor der Sohn da war. Dann erschuf Gott den Sohn, der sein Logos wurde. Der Sohn ist also erschaffen wie die übrige Schöpfung. Der Vater verlieh ihm alle Macht, und er schuf Himmel und Erde."
Im zweiten Konzil leugnete Makdonios die Göttlichkeit des Heiligen Geistes und behauptete, der Heilige Geist sei vom Sohn erschaffen, und er sei dessen Diener. Auf den genannten Konzilen wurden auch die Juriusdiktionsbereiche der apostolischen Stühle von Rom, Alexandria, Antiochien und Konstantinopel festgelegt. Im letzten Konzil wurden auch die Vorrechte (Prärogative) dieser Stühle nach ihrer geographischen Lagen und nach ihrer Nähe zu den Zentren der zivilen politischen Macht festgelegt.

5. Die Spaltung der syrischen Kirche

Diese dauernden dogmatischen Auseinandersetzungen zwischen den christlichen Kirchen entfremdeten die Kirchen einander und gipfelten in der Spaltung der Kiche. Von dieser Spaltung wurde die syrische Kirche am meisten betroffen. Sie trat als Folge der Anathematisierung des Nestorius auf dem 431 einberufenen Konzil von Ephesus ein. Nestorius behauptete, Jesus verkörpere zwei Personen: Gott, den Logos, und Jesus, den Menschen. Da Gott den natürlichen Einflüssen nicht unterliegen kann, hat also Maria nur den Menschen Jesus geboren, und deshalb kann sie nicht "Mutter Gottes" (Theotokos) genannt werden. Das heißt nichts anderes als: Christus habe zwei Personen und zwei getrennte Naturen. (Damit hat er den christlichen Glauben von der heiligen Trinität erschüttert) .
Die Syrer, die Nestorius' Ideen akzeptierten und dem Kanon von Ephesus nicht folgten, wurden Nestorianer genannt. Sie wurden von den Byzantinern verfolgt. Deswegen flohen in das Persische Reich nach Südmesopotamien. So wurde die syrische Kirche entzweit. Die westlich vom Euphrat wohnenden Syrer wurden Westsyrer genannt und waren direkt dem antiochenischen Patriarchat unterstellt. Die östlich vom Euphrat - also im Irak - Wohnenden wurden Ostsyrer genannt, ausgenommen diejenigen,die weiter dem antiochenischen Patriarchat unterstanden. Als Folge dieser geographischen Teilung spaltete sich auch die syrische Sprache in zwei Dialekte, nämlich in den westsyrischen und in den ostsyrischen. Die im persischen Reich lebenden Westsyrer hatten schwer unter dem Joch der Perser zu leiden. Das geschah nicht aufgrund ihres Glaubens, sondern weil auch ihre geistliche Führung im feindlichen, byzantinischen Reich ansässig war. Sie wurden deshalb der Unloyalität beschuldigt.

Als sich das byzantinische Reich die Beschlüsse des Konzils von Chalcedon 451 zu eigen machte, begann es diejenigen, die diese Beschlüsse ablehnten - nämlich an erster Stelle die Glieder der syrischen Kirche -, stark zu unterdrücken. Die Kirchenväter und die Gläubigen hatten die verschiedensten Qualen zu ertragen, wie Verbannung, Tötung und Einkerkerung. Viele von ihnen, sei es, daß sie dem klerikalen oder aber dem weltlichen Bereich angehörten, errangen die Palme des Martyriums.
Eine dieser Unterdrückungen ist die von Justinius I., die er nach der Besteigung des byzantinischen Thrones im Jahre 518 gegen die Glieder der syrischen, koptischen und armenischen  Kirche durchführte. Deswegen sah sich der Patriarch Severus der Große gezwungen, nach Ägypten auszuweichen. Dort lebte er 20 Jahre und leitete die Kirche durch seine Vertreter und Briefe.

Nach dem Tode Justinus' I. im Jahre 527 bestieg sein Neffe Justinian den Thron und mit ihm seine Frau Theodora, die Tochter eines Priesters aus Mabugh in Syrien. Sie hatte mit den Unterdrückten, den Verbannten und den in Konstantinopel eingekerkerten Syrern Mitleid. Sie konnte aber den Unterdrückungen aus politischen und administrativen Erwägungen kein Ende bereiten, weil die Anhänger des Konzils von Chalcedon ihren Mann der Parteiergreifung mit den Verbannten aus Hörigkeit zu seiner Frau bezichtigten.
Die ghassanitischen Araber hatten schon in Syrien ein wichtiges Emirat gegründet. Die byzantinischen Kaiser beauftragten ihre Emire ("die Gafnen") mit der Regentschaft über Syrien. Sie sollten die Grenze des byzantinischen Reiches vor den Attacken der mit Persien alliierten arabischen Sippen schützen.  Die Ghassaniten hielten fest zu ihrer syrischen Kirche und deren Dogmen. Dem Wunsch des Königs Al Hareth Ibn Gabla, einige Bischöfe in die von Byzanz besetzten Gebiete zu entsenden, wurde von der Kaiserin Theodora entsprochen.Sie forderte den nach Konstantinopel verbannten Patriarchen Theodosios den Alexandriner auf, mit Antimos, dem Patriarchen von Konstantinopel, den Mönch Jakob Baradäus zum Metropoliten von Edessa, Syrien und Kleinansien, sowie 543 oder 544 den Mönch Theodor den Araber zum Metropoliten der Araber zu erheben. Sofort nach der Weihung machte sich Mor Jakob an die Arbeit. Unermüdlich zog er inkognito als Laie getarnt zu Fuß außerordentlich schnell von Stadt zu Stadt, verfolgt von der byzantinischen Macht. So durchquerte er Syrien, Armenien, Kleinasien, Cypern, Rhodos, Khyos, Ägypten, Äthiopien, Mesopotamien, Persien u.a.m.
Mit zwei Helfern, die er gemäß der Kirchenkanones zu Bischöfen ordinieren ließ, weihte er 27 Bischöfe. Somit stärkte er die Glieder der Syrisch-orthodoxen Kirche sowie die der koptischen und der armenischen Kirche in dem Glauben, der auf den 3 ökumenischen Konzilen von Nizäa, Konstantinopel und Ephesus beschlossen worden war. Er weihte auch tausende Priester und Diakone. So konnten die Fundamente der Syrischen Kirche durch die hervorragenden Taten dieses großen, apostolischen Kämpfers gefestigt werden. Deswegen wurde sie, die Syrische Kirche, von ihren Feinden aus Haß und Zorn "Die Jakobitische Kirche" genannt. Obwohl die Syrische Kirche auf Mor Jakob stolz ist, lehnt sie diese Bezeichnung ab, weil Mor Jakob weder ihr Gründer noch der Urheber eines neuen Dogmas war. Vielmehr war er einer ihrer geistlichen Väter, der die Glieder der Kirche im rechten Glauben festigte, den sie von den Aposteln und den gerechten Kirchenvätern empfangen hatten. Sein standhaftes Durchhalten angesichts der byzantinischen Ungerechtigkeit ist beispiellos, und die Kirche wird immer stolz auf ihn sein. Die Kirche ist auch festen Glaubens, daß der Herr Jesus in ihr lebt und die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden .

Zu Beginn des 7. Jahrhunderts bestieg Herakleios (610 - 641) den Thron des oströmischen Reiches. Nachdem er die Perser besiegt und Mesopotamien erobert hatte, drang er 612 in Syrien ein. 629 besetzte er Damaskus. Anschließend bemühte er sich ernsthaft, die religiöse Einheit in seinem Reich wiederherzustellen, um die Syrer, Kopten und Armenier mit den Byzantinern zu vereinigen. Dies geschah einerseits durch Zusagen und andererseits durch Drohungen. Sehr häufig wandte er rücksichtslose Unterdrückungen an, durch die unzählige Syrer, Kopten und Armenier zu Märtyrern wurden.

Nur durch die Feldzüge des Islam in der 1. Hälfte des 7. Jahrhunderts konnte der Osten von Byzantinern und Persern befreit und der Unterdrückung der Syrer durch dieselben ein Ende bereitet (8) werden. Dies geschah mit Hilfe der Glieder der Syrischen Kirche und den Ureinwohnern Syriens, von denen ein Teil aramäischen Ursprungs und ein anderer Teil Nachfahren arabischer Sippen waren, mit denen die Syrer blutsverwandt waren. Als die Muslime in Syrien einmarschierten, wurden sie von den Syrern empfangen. Sie sahen die neuen Herrscher als Retter an, die sie vom Joch der Byzantiner befreiten, denn die Byzantiner versuchten sie mit Gewalt in der Byzantinischen Kirche, der Kirche des Reiches, zu assimilieren, was zwangsläufig das Akzeptieren der Beschlüsse von Chalcedon und das Leugnen der Dogmen ihrer Kirchenväter bedeutet hätte. Die Syrer konnten also durch die Zusammenarbeit mit den Muslimen ihre kirchlichen Dogmen des Antiochenischen Stuhles, ihre Kirchen, Klöster, ihr kirchliches Erbe und ihre Liturgie bewahren .

6. Die Haltung der Syrer gegenüber der arabisch-islamischen Eroberung

Aus dem Vorhergesagten ist ersichtlich, daß die religiösen Auseinandesetzungen in der christlichen Kirche, der Versuch der byzantinischen Macht, die Erlasse des Konzils von Chalcedon mit Gewalt den anderen Kirchen aufzuzwingen, ihre Angehörigen in die Gefängnisse zu werfen, sie zu töten, zu verbannen und zu vertreiben, all diese unchristlichen Handlungen, in den Herzen der Syrer nur Haß und Abneigung gegenüber der byzantinischen Macht.säten. Die persische Macht ihrerseits unterdrückte in ihrem Reich die Christen allgemein, um sie in ihr Magiertum zu zwingen. Darum sahen die Syrer unter der byzantinischen bzw. persischen Macht die islamischen Eroberer als Befreier und nicht als Besatzer an. Die Syrer setzten große Hoffnungen auf sie - nicht nur, weil die Muslime sie von ihren religiösen Nöten befreiten, sondern auch weil sie die Syrer von den sie bedrückenden Steuern entlasteten. Sie sagten: "Preis sei Gott, der uns von den ungerechten Byzantinern befreite und uns unter die Macht der gerechten Araber stellte."

7. Die religiöse Situation der Araber zur Zeit der Entstehung des Islam

Die religiöse Situation der Araber war konfus und undurchsichtig. Einige Sippen waren reine Heiden. Die Spaltung der Kirche lenkte sie von ihrer Aufgabe, der Verkündigung des Evangeliums, ab. Deswegen war der Zeitpunkt für die Verbreitung des Islam unter den heidnischen Sippen und ganz besonders auf der arabischen Halbinsel günstig. Wie gesagt: ein Teil der Einwohner der arabischen Halbinsel war zur Zeit des Aufkommens des Islam heidnisch, ein anderer Teil war dem Namen nach Anhänger Abrahams. Es wird in der Geschichte erwähnt, daß das Christentum seit dem 1. Jahrhundert auf der Halbinsel auftrat9 . Es verbreitete sich stark in der syrischen Wüste und im Irak unter einer Vielzahl arabischer Sippen wie: Rabi-a, Beni Taghleb, Bani Kalb; in Yemen, Taj, Bahraa, Salikh, Tennuch, Ghassaen und anderen , die dadurch auf eine Annahme des Islam vorbereitet wurden.

Die Dogmen von Arius und Nestorius, die auf den ökumenischen Konzilen von Nizäa (325) bzw. Ephesus (431) anathematisiert wurden, waren unter den Christen verbreitet. Hinzukommt, daß durch Abtrünnige der Äthiopisch-orthodoxen Kirche einige zweifelhafte, herätische, religiöse Behauptungen im Namen des Christentums in manchen arabischen Stämmen Verbreitung fanden. Im ausgehenden 6. und beginnenden 7. Jahrhundert wurde Qas Ibn Sa-ida Al-Ayadi, Bischof von Nadgran, für seine Weisheit, Poesie und Redekunst gerühmt. Ein anderer berühmter Mann (611) ist zu nennen: Waraqa Ibn Naufal Ibn Assad. Er war der Bischof von Mekka, das voll von Christen war. Er ist der Neffe von Khadidga, der Frau von Mohammed dem Propheten. Die Mehrheit der Christen von Mekka, Yemen und Nadgran waren Glieder der Syrisch-orthodoxen Kirche. Die Christen wurden nach Jesus "Nazarener" genannt. Wie verschieden die Dogmen jener Christen auf der arabischen Halbinsel auch gewesen sein mögen, so übten sie doch auf die arabischen Brüder einen großen Einfluß aus. Wir wollen nicht vergessen, daß die religiösen Fundamente der beiden Religionen einander ähnlich sind, wie der Glaube an einen einzigen Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, der Glaube an das Jüngste Gericht, der Tag der Auferstehung, das Ewige Leben usw. Es gibt außerdem noch geschichtlich-religiöse Ereignisse bei den Syrern, die im Koran erwähnt werden wie die "Siebenschläferlegende" und "Die Einwohner der Furchen". Die Siebenschläferlegende war ein Beispiel, mit dem Gott beweist, daß er, der Schöpfer, die Toten am Tage der Auferstehung wieder beleben kann. Sie wurde uns in hervorragendem Stil in Versen und in Prosa überliefert. Sie gehört der syrischen Tradition an und wurde auch von unseren großen Chronisten wie Zacharia dem Rhetoriker (+536), Johannes von Ephesus (+587), dem Zuqninischen Mönch (+775) und anderen eingehend studiert. Uns ist dazu auch ein aus 74 Versen bestehendes, in 7-silbigem Metrum geschriebenes Gedicht von Mor Jakob von Serugh (+521) überliefert . Die Kirche gedenkt der Siebenschläfer jährlich am 24. November. Eine eigene Ordnung, in der die Richtigkeit ihres Schlafens und Erwachens festgehalten wird, ist auch überliefert.
"Die Einwohner der Furchen", die im Koran erwähnt sind, sind die himjaritischen Märtyrer, die syrisch-christlichen  Araber von Nadgran, die von Masruq dem Juden - bekannt als Dhu Nu-as - verfolgt wurden, wodurch sie die Palme des Martyriums errangen.

8. Der Islam nach Ansicht der Wissenschaftler der syrischen Kirche

Jeder der syrischen Wissenschaftler, der sich mit dem Lebenslauf des Propheten Mohammed beschäftigte, beschrieb seine Vorzüge und edlen Charaktereigen-schaften. Aus Zeitmangel begnügen wir uns mit dem Zeugnis Bar Hebräus', Maphrian des Ostens (1286) , der wie folgt schrieb : "(Mohammed Ibn Abdal-lah, Friede sei mit ihm). Die Biographen Mohammends erwähnten, daß er von Ismail, dem Sohn Abrahams, den ihm Hagar gebar.... Er wurde in Mekka im Jahre 822 (nach Seleukidenära - also 571 n.Chr. - geboren. Als er 2 Jahre alt wurde, starb sein Vater Abdallah. Seine Mutter, die Amina, die Tochter Waheb, blieb bei ihm bis zum Alter von 6 Jahren. Nach ihrem Tod nahm ihn sein Großvater, Abdul Muttaleb auf und bürgte für ihn. In seinem 9. Lebensjahr nahm ihn sein Großvarer mit nach Syrien. In Busra angekommen, kam ihnen ein hellseherischer Mönch namens Bhira entgegen und trat zu den Reisenden. Als er zu dem Kinde kam, hielt er dessen Hand und sagte: "Aus diesem Jungen wird ein großer Mann werden, und sein Ruf wird über alle Ländergrenzen hinwegeilen, weil er, wohin er sich auch begibt, von einer Wolke beschattet sein wird". Nach seinem 25. Lebensjahr bot ihm eine ehrhafte, edle und reiche Frau namens Khadidga an, ihren Handel in Syrien zu betreiben. Sie wollte ihm mehr bezahlen als allen anderen. Er nahm das Angebot an. Dann wollte sie ihn heiraten und bestellte das Aufgebot. Sie war 40 Jahre alt, als er sie heiratete. 22 Jahre lebten sie miteinander. Dann starb sie in Mekka. Als Mohammed 40 Jahre alt wurde, begann er mit seiner Mission. Nach dem Tode seines Onkels und dem Tode seiner Frau tat ihm "Quraisch" viel Leid an, weswegen er nach Al-Madina emigrierte. Im 1. Jahr seiner Emigration wurde er von den Leuten gefeiert, und sie unterstützten ihn gegen seine Feinde aus Mekka... . Im 10. Jahr seiner Emigration pilgerte er zum letzten Mal, und in diesem Jahr erkrankte er. Zwei Tage vor dem Ende des Monats Safar, an einem Montag, verstarb er im Alter von 63 Jahren. Die Mekkaer wollten ihn in Mekka, wo er geboren worden war, begraben. Die Bevölkerung Al-Madinas hingegen wollte ihn in ihrer Stadt begraben, weil er dorthin emigriert war. Andere wiederum wollten ihn in Jerusalem beisetzen, weil dort der Platz war, an dem die Propheten begraben wurden. Zum Schluß einigten sich alle Parteien, ihn in Al-Madina zu begraben und zwar in demselben Zimmer, in dem er auch gestorben war."
Um einen besseren Überblick über den Propheten zu gewinnen, fügen wir dem Gesagten folgendes hinzu: Der Gesandte Mohammed missionierte die Araber während ihrer Festversammlungen und viele von ihnen glaubten an ihn. Er mußte Mekka verlassen, um sich den Verfolgungen der Quraischer zu entziehen. Die Bevölkerung von Al-Madina hieß ihn willkommen und unterstützte ihn. Später mußte er zum Schwert greifen, um die Früchte seiner Mission vor ihren Feinden zu schützen. Zu diesem Zweck rüstete er Armeen aus und führte Invasionskriege. Von den wichtigen Kriegen ist der große Badr-Krieg, in dem die Muslime einen großen Sieg erragen, zu erwähnen. Zu den guten Taten der Muslime zählt das Freikaufen der Gefangenen durch das Lehren: Das Lösegeld für die Gefangenen wurde so erhoben, daß jeder Gefangene von Quraisch 10 Kindern der Stadt Al-Madina das Lesen und Schreiben beibringen mußte. Die Reichen konnten ihre Angehörigen mit Geld freikaufen. Vor jeder Invasion wies der Gesandte seine Armee mit den Worten an: "Ihr werdet Männer finden, die sich in Zellen zurückgezogen haben; stört sie nicht, tötet keine Frau, kein Kind, keinen Greis und fällt keinen Baum" . So wollte der Gesandte Mohammed seine Botschaft brüderlich und gerecht durch das Bewahren der Menschenrechte in der Welt verkünden. Wer den Koran eingehend studiert, wird verstehen, daß der Gesandte Mohammed nicht gesandt wurde, um die Menschen in den Islam zu zwingen. Die würdigen Verse im Koran bestätigen diese Wahrheit:
"Es ist nicht deine Aufgabe, sie rechtzuleiten. Vielmehr leitet Gott recht, wen er will." (Sure 2, Die Kuh, Vers 274)
In der Religion gibt es keinen Zwang. Der rechte Weg ist klar geworden vor der Verwirrung. Wer nun an die Götzen nicht glaubt, an Gott aber glaubt, der hält sich an der festesten Hingabe, bei der es kein Reißen gibt. Und Gott hört und weiß. (Sure 2, Die Kuh, Vers 257)
Und ähnlich wie dies "Wer will, der glaubt und wer will, der leugnet"
"Und sagt zu denen, die die Schrift erhalten haben, und zu den Heiden:Wollt ihr den Islam annehmen? Wenn sie ihn dann annehmen, sind sie rechtgeleitet. Wenn sie sich aber abwenden, so hast du nur die Botschaft auszurichten. Gott durchschaut die Menschen wohl." (Sure 3, Die Sippe 'Imráns, Vers 19)
Ruf mit Weisheit und einer guten Ermahnung auf dem Weg deines Herrn und streite mit ihnen auf eine möglichst gute Art (oder: auf eine bessere Art ( als sie das mit dir tun)?). Dein Herr weiß sehr wohl, wer von seinem Weg abirrt, und wer rechtgeleitet ist (Sure 16, Die Bienen, Vers 126)
Wir haben die Schrift (damit sie) den Menschen (zur Rechtleitung diene) mit der Wahrheit auf dich hinabgesandt. Wenn sich nun einer rechtleiten läßt, ist es sein eigener Vorteil. Und wenn einer irregeht, tut er das zu seinem eigenen Nachteil. Du bist nicht ihr Sachwalter. (Sure 39, Die Scharen, Vers 41)
Der Koran spricht für die Christen und anerkennt ihre heiligen Bücher durch die folgenden Verse

Wenn du über das, was wir als Offenbarung zu dir hinabgesandt haben, im Zweifel bist, dann frage diejenigen, die die Schrift lesen vor dir! Zu dir ist doch von deinem Herrn die Wahrheit gekommen. Du darfst ja nicht zweifeln. (Sure 10, Jonas, Vers 94)
Du wirst sicher finden, daß die jenigen Menschen, die sich den Gläubigen gegenüber am meisten feindlich zeigen, die Juden und die Heiden sind. Und du wirst sicher finden, daß diejenigen, die den Gläubigen in Liebe am nächsten stehen, die sind, welche sagen: ´ Wir sind Nasárá (d.h. Christen)`. Dies deshalb, weil es unter ihnen Priester und Mönche gibt, und weil sie nicht hochmütig sind. (Sure 5, Der Tisch, Vers 81)
Der Koran bezeugt auch, daß Jesus nicht durch menschliche Zeugung geboren wurde, sondern daß Gott seinen Geist in Maria hauchte. Außerdem gibt es im Koran Aussagen, die zusammenfassend das übernatürliche Auftreten Christi darstellen. Der Koran, bezeugt auch die Schöpferkraft Jesu Christi. Dieses Zeugnis wurde keinem anderen zuteil. So steht es in der Sure von Aal Umran wie folgt:

"Als die Engel sagten: ´Maria! Gott verkündet dir ein Wort von sich, dessen Name Jesus Christus, der Sohn der Maria, ist! Er wird im Diesseits und Jenseits angesehen sein, einer von denen, die (Gott) nahestehen. Und er wird (schon als Kind) in der Wiege zu den Leuten sprechen, und (auch später) als Erwachsener, und (wird) eine von den Rechtschaffenen (sein).`... Sie sagte: ´Herr! Wie sollte ich ein Kind bekommen, wo mich kein Mann berührt hat?` Er (d.h. der Engel der Verkündigung, oder Gott?) sagte: `Dies ist Gottes Art (zu handeln). Er schafft, was er will. Wenn er seine Sache beschlossen hat, sagt er zu ihr nur: Sei!, dann ist sie. Und er wird ihn die Schrift, die Weisheit, die Thora und das Evangelium lehren.` Und als Gesandter Gottes an die Kinder Israels (wieß Jesus sich aus mit den Worten:)`Ich bin mit einem Zeichen von eurem Herrn zu euch gekommen (das darin besteht?), daß ich euch aus Lehm etwas schaffe, was so aussieht wie Vögel. Dann werde ich hineinblasen, und es werden mit Gottes Erlaubnis (wirkliche) Vögel sein. Und ich werde mit Gottes Erlaubnis Blinde und Aussätzige heilen und Tote (wieder ) lebendig machen. Und ich werde euch Kunde geben von dem, was ihr in euren Häusern eßt und aufspeichert (ohne es gesehen zu haben). Darin liegt für euch ein Zeichen, wenn ihr gläubig seid." (Sure 3, Die Sippe im `Imrán, Vers 44-48)

Der Gesandte Mohammed gab auch allen Christen ein Testament , das wir hier wegen seiner Wichtigkeit wiedergeben. Es zeigt sich darin der edle Charakter und der Gerechtigkeitssinn des Gesandten. Dies Zeugnis ist bis heute in machen Klöstern aufbewahrt.
Er sagte: "Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen! Dies ist ein Schreiben, das Mohammed Ibn Abdallah an alle Menschen als Gesandter, Verkünder, Ermahner und Verantwortlicher schreibt, damit den Gesandten (Gottes) nichts vorenthalten wird. Gott ist mächtig und weise. Er schreibt es für die Christen überall auf der Erde, die hier oder in der Fremde Lebenden, die Arabisch- oder Anderssprachigen, die Bekannten und die Unbekannten. Er gibt ihnen ein Testament. Wer es annulliert, das Gegenteilige praktiziert, dessen Gebot übertritt, annulliert das Testament Gottes, leugnet seine Abmachung, verlacht seine Religion, der verdient den Fluch, wer er auch sein mag, ein Herrscher oder ein anderer Moslem. Wenn ein Mönch oder ein Durchreisender auf einem Berg, in einem Tal, in einer Höhle, in einem Wohnhaus, auf dem flachen Lande, auf dem Sande oder in der Kirche Zuflucht findet, so setze ich mich mit meinen Helfern, Verwandten, meinem Volk und meiner Gefolgschaft für ihn aus Eifer ein, weil er ein Glied der Gemeinde ist und unter meinem Schutz steht, und ich halte von ihm allen Schaden fern. Die Betroffenen sollen nur mit so vielen Steuern belastet werden, wie sie freiwillig - ohne Zwang oder Druck - bezahlen wollen; kein Bischof soll aus seinem Sprengel, kein Mönch aus seinem Kloster, kein Einsiedler aus seiner Zelle in eine andere Stadt, Dorf und Zelle versetzt werden; kein Durchreisender soll auf seiner Durchreise behindert werden. Es darf kein Haus, kein Bau ihrer Kirchen niedergerissen werden. Es darf nichts aus dem Vermögen ihrer Kirchen weder zum Bau der Moscheen noch der Wohnhäuser der Muslime verwendet werden. Wer so etwas tut, verletzt das Testament Gottes und seines Gesandten. Die Bischöfe und die Arbeiter Gottes sollen weder mit Steuern noch mit Bußgeld belastet werden. Ich beschütze sie, wo sie auch sein mögen - seien sie auf dem Lande oder auf der See, im Osten oder im Westen, im Norden oder im Süden. Sie sind unter meinem Schutz und sicher vor jeder Not. Hinzukommt noch: Wer als Einsiedler auf den Bergen oder in den gesegneten Orten Gott anbetet, braucht nichts für das Säen, nicht für die Steuern, nichts für den Zehnten zu entrichten; man darf nicht daran teilhaben, denn sie arbeiten nur für ihren Lebensunterhalt und niemand hilft ihnen bei der Ernte. Sie sind auch nicht verpflichtet, zur See zu fahren. Die Land- und Gutsbesitzer sollen nicht mehr als insgesamt 12 Dirham jährlich Steuern bezahlen; niemand von ihnen soll mit hohen Staatseinnahmen belastet werden, und man soll mit ihnen keine Streitgespräche führen, sondern nur mit gutem Beispiel vorangehen, zu ihnen barmherzig sein und sie vor Unglück bewahren. Wenn die Christenheit unter die Herrschaft des Islam geraten ist, so sollen die Mohammedaner sie zufriedenstellen, sie in ihren Kirchen beten lassen und es soll kein Hindernis zwischen ihnen und ihrer Neigung zur Religion bestehen. Wer sich gegen das Testament Gottes vergeht, das Gegenteilige tut, wird ungehorsam gegen Gott und dessen Gesandten. Die Mohammedaner sollen ihnen, den Christen, beim Restaurieren ihrer Kirchen und Häuser behilflich sein. Keiner von ihnen ist verpflchtet, Waffen zu tragen, denn die Mohammedaner beschützen sie. Keiner soll gegen das Testament bis zum Tage des jüngstens Gerichtes und bis an das Ende der Welt verstoßen."

9. Die Syrer und die arabisch-mohammedanischen Eroberungen

Es gab viele psychologische, gesellschaftliche und religiöse Gründe bei den Syrern, den Ureinwohnern des Landes im byzantinischen Syrien, um die von der arabischen Halbinsel ausgehenden Eroberer zu empfangen, da die Syrer, wie oben ausgeführt, unter dem byzantinischen Joch viel leiden mußten. Von den Persern wurden sie ebenfalls unterdrückt, weil sie, die Perser, versuchten, die Syrer durch barbarische Behandlungsmethoden und Blutvergießen zum Überwechseln von ihrem Glauben zum Magiertum zu veranlassen, indem sie sie zwangen, hohe Steuern zu entrichten. Der scheinbare Grund der Unterdrückung der Syrer war die Ablehnung der Beschlüsse von Chalcedon (451). Der wahre Grund aber war die Tatsache, daß bei den Syrern das Nationalbewußtsein und die Freiheitsbewegung neu aufkeimte. Sie wollten ihr Land von kolonisierenden Byzantinern befreien. Hinzukommt noch, daß die Byzantiner Syrien seiner Reichtümer - besonders seines Weizens - beraubten.

Es nimmt nicht Wunder, daß sich in den Herzen der Syrer eine innere Ablehnung aufgrund der byzantinischen Unterdrückung breitmachte, so daß die Syrer die muslimischen Araber als Befreier des Landes empfingen. Dies geschah speziell deshalb, weil viele arabische Sippen im Irak und in Syrien Angehörige des Syrisch-orthodoxen Glaubens waren. Diese Sippen fühlten sich verpflichtet, die arabischen Muslime trotz der Unterschiede im Glauben zu unterstützen, denn sie waren mit ihnen bluts-, sprachen- und kulturverwandt.
So schlossen sich die meisten von ihnen wie die Sippen Taghleb Uqal, Tennuch und Rabi-A im Norden und Westen Iraks den mohammedanischen Kriegern unter der Führung von Al-Muthanna Ibn Haritha an und kämpften mit ihnen. Im Jahre 651 wurden die Perser besiegt und ihr letzter König floh aus dem Lande. Die Geschichte berichtet, daß ein syrisch-christlicher Junge der Taghlebiten den persischen Führer Marzaban Mihran umbrachte, sich dessen Pferd  nahm und mit lauter Stimme rief: "Ich habe den Marzaban getötet"  Die Eroberungsarmee marschierte in Damaskus 634 und in Jerusalem 637 ein. In Alexandria zog sie im Jahre 638 ein, wo sie von den Kopten empfangen wurde, wie sie vorher von den Syrern in Syrien herzlich empfangen wurden.

10. Die Syrer unter der mohammedanischen Herrschaft

Nachdem die Syrer unter Wahrung ihres Glaubens gemeinsam mit den mohammedanischen Arabern - gegen die Kolonisten gekämpft und ihr Land von ihnen befreit hatten, unterstützten sie sie beim Bau des neuen Reiches. Die Geschichte berichtet von ihrer schöpferischen Kraft in allen Bereichen der Wissenschaft und Kultur.

Trotz unseres Zeitmangels möchten wir doch bei einigen Stationen der gemeinsamen Geschichte zwischen Syrern und Mohammedanern verweilen und kurz von den Berichten glaubwürdiger Chronisten - die neagtiven Geschehnisse meidend - die positiven Vorgänge zur Kenntnis geben. Gleichzeitig versichern wir, daß die ungerechtfertigten Handlungen seitens der arabsich-mohammedanischen Armeen während und nach den Eroberungen relativ selten auftraten im Vergleich zu ähnlichen Eroberungen anderer Armeen. Der Vicomte Philip de Tarazi sagt in seinem Buch "Das goldene Zeitalter der Syrer": Die Syrer gewannen Vertrauen und Respekt bei den "Raschideen" Kalifen (632 - 661?), Kalifen der Amawiten (622 - 746) und den Abbasiten (750 - 1258). Der erste Syrer, der bei ihnen Vertrauen gewann, war Mansur Ibn Johanna der Syrer, der in der Epoche der "Raschideen" Kalifen Finanzminister wurde. Sein Sohn Sargon sowie sein Enkel Johannes - bekannt als der heilige Johannes von Damaskus (749) - übernahmen das Amt für Arbeit und Steuereinnahmen .

11. Der Umgang der Kalifen mit Syrern und anderen Christen

Umar Ibn Al-Khattab war der erste "Raschidische" Kalif, der den Beinamen "Emir Al-muminin) (Prinz der Gläubigen) trug. Ihm wurde auch der Beiname "Al Pharug" gegeben, weil er zwischen dem Rechten und dem Unrechten wohl zu unterscheiden wußte . Die Syrer bestätigen diesen Beinamen, legen ihn jedoch anders aus. Die Syrer sagen, daß das Wort vom syrischen "Pharuga" abzuleiten ist, was Erlöser bedeutet. Dieser Name wurde dem göttlichen Erlöser, Jesus Christus, gegeben und dann dem "Raschidischen" Kalifen Umar. Sie ließen die bekannte Parole ausgeben: "Gott sei Dank, der uns von der Herrschaft der ungerechten Byzantiner befreite und uns unter die Herrschaft der gerechten mohammedanischen Araber stellte". Von dieser historischen Haltung der Syrer den Mohammedanern gegenüber und die Würdigung ihrer guten Taten wollen wir kurz einige beispielhafte Handlungen der mohammedanischen Kalifen wiedergeben.
Zuerst ist die Handlung von Umar Ibn Al Khattab in Jerusalem zu nennen. Als der Kalif in Jerusalem zu Besuch war und sich zu einer Gebetszeit im Schiff der Auferstehungskirche befand, wollte er nicht sein Gebet in derselben Kirche verrichten, sondern er verließ die Kirche und betete allein auf einer Treppe vor ihr. Nach dem Grund gefragt, sagte er: "Wenn ich in der Kirche gebetet hätte, dann würden die Mohammedaner die Kirche nach meinem Tod (als Moschee) einnehmen und sagen: "Hier hat Umar gebetet." ."Dann befahl er den Mohammedanern in einer Schrift, nur einzeln auf den Treppen vor der Kirche zu beten, keine Gemeinschaftsgebete zu sprechen und nicht mit lauter Stimme Gott anzurufen . Von Umar stammen viele schriftliche Urkunden, in denen er den syrisch-christlichen Kirchen sowie ihren Klöstern Sicherheit und Schutz gewährte. Die Behandlung der Christen war positiv und die Christen zahlten ihre Steuern als Gegenleistung für ihren Schutz genauso wie diejenigen, die unter der persischen Herrschaft standen.

Vom Kalifen Umar stammt allerdings auch die Urkunde, die die Umar'schen Bedingungen enthält und die Ehre der Christen verletzt.
Die Syrer genossen hohes Ansehen bei den Amawiten. Viele von ihnen wurden in den administrativen Ämtern eingesetzt, und zu ihrer Zeit begann die arabische Renaissance, an der die syrischen Wissenschaftler und Schriftsteller teilnahmen, indem sie ihre sowie die griechischen Wissenschaften ins Arabische übersetzten. Sie erlangten hohe Positionen in der Administration und bekleideten wichtige Ämter.
Und so sehen wir, daß der Kalif Abdul Mallek Ibn Marwan (685 - 705) Athanasios Bargumja dem Edessener das Amt der Finanzverwaltung in Ägypten anvertraute. Er bewährte sich gut und seine Zeit war hinsichtlich der Staatseinnahmen für die Amawiten eine ausgesprochen segensreiche.
Der Kalif Marwan (744 - 750) schrieb im Jahre 746 dem Patriarchen Iwannis IV. (740 - 55) eine Urkunde, die denselben ermächtigte, alle kirchlichen Amtsgeschäfte völlig eigenständig zu führen . Das war die erste Urkunde ihrer Art, die einem Patriarchen ausgehändigt wurde. Von diesem Zeitpunkt an wurde die Aushändigung einer derartigen Urkunde Brauch. Wichtig ist zu berichten, daß die Übersetzung des Evangeliums vom Syrischen in das Arabische in dieser Epoche stattfand und zwar durch den Patriarchen Johannes, Autor der Sedre (Reihen) (+648), der damit den Wunsch des Prinzen von Al Gaziras Amair Ibn Saad Ibn Abi Wqqas erfüllte. Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, daß bei der Übersetzung, die der Prinz vom Patriarchen verlangte, die Stellen, die die Göttlichkeit Jesu, seine Kreuzigung und Taufe betreffend, von der Übersetzung ausgenommen werden sollte. Darauf erwiderte ihm heldenhaft der Patriarch: "Gott verhüte, daß ich auch nur einen einzigen Buchstaben streiche oder hinzufüge, und wenn alle Speere der Armee auf meine Brust gerichtet werden würden." Der Prinz zeigte sich von dieser heldenhaften Haltung des Patriarchen stark beeindruckt und vertraute ihm die Übersetzung an. Zur Durchführung dieser Arbeit ließ der Patriarch einige Bischöfe und Linguisten beider Sprachen der Sippen Bani Tennuch, Uqail und Taj zu sich rufen, die dann das heilige Evangelium unter seiner Aufsicht übersetzten, das er dann dem Prinzen überreichte.

Zur Zeit der Amawiten lebte ein berühmter Poet namens Al Achtal. Er gehörte der Taghlebiten- Sippe an und  war Glied der Syrisch-orthodoxen Kirche. Er wurde in Mesopotamien geboren und wuchs dort auch auf. Er genoß hohes Ansehen bei den Kalifen der Amawiten. Der Kalif Abdul Mallek Ibn Marwan (665 - 705) sagte zu ihm, nachdem er, der Poet, denselben mit einem Gedicht pries: "Du Achtal, möchtest Du, daß ich an alle Länder schreibe und ihnen mitteile, daß Du der beste Dichter der Araber bist?" Darauf antwortete der Achtal: "Es genügt, wenn der Prinz der Gläubigen das sagt."
Der Achtal hielt fest an seinem Glauben. Er durfte ohne Erlaubnis beim Kalifen mit einer goldenen Kette um den Hals, an der ein Kreuz hing, eintreten. Sein Bischof soll ihn einmal in der Kirche wegen Belästigung und Anpöbelung eingesperrt haben, obwohl er von sich selbst sagte: "Ich habe über keinen ein Spottgedicht geschrieben, das eine Jungfrau über ihren Vater nicht schreiben könnte." Dann, als einer der Notablen der Araber seinen Bischof um seine Freilassung bat und er auf freien Fuß gesetzt wurde, fragte ihn der Notable verwundert: "Wie kann ein bei dem Kalifen so hochangesehner Mann sich vom Bischof eine dermaßen blamable Strafe gefallen lassen?" Der Achtal erwiderte: "Es ist die Religion, es ist die Religion. Schweige mit den Schweigenden!"
In der Epoche der Abbassiden entstanden viele ausgezeichnete Übersetzungsarbeiten, und aus den Reihen der Syrer traten große Wissenschaftler, Übersetzer und Ärzte hervor. Zur Zeit von Harun Ar-Raschid (766 - 809) wurde der syrische Wissenschaftler Johanna Ibn Masaweh berühmt. Der Kalif Harun Ar-Raschid betraute ihn mit der Übersetzung der alten Bücher. Er genoß hohes Ansehen bei dem Kalifen und seinen Nachfolgern bis hin zum Kalifen Al Mutawakkel.
Und so übersetzten die Syrer die griechischen Wissenschaften in ihre Sprache und dann ins Arabische. Die Syrer gründeten auch Hochschulen für die verschiedenen Wissenschaften und Literatur. Deshalb entwickelten sich die Wissenschaften in der Epoche der Abbassiden enorm.

Die Syrer beteiligten sich zuverlässig an den Aufgaben des Staates. Als Beispiel berichten wir vom Patriarchen Dionysios von Talmahre (+845), den der Kalif Al Mamun mit einer politischen Mission betraute. Er sollte ihn nach Ägypten begleiten, um dort mit dem Alexandrinischen Patriarchen Yosab den im Süden des Nils (26) drohenden, christlichen Aufstand einzudämmen.
Von den Syrern, die den Kalifen dienten, ist auch der für seine edlen Charakterzüge, christliche Tugenden, Treue und Aufrichtigkeit bekannte Arzt, Amin Ad-Daula Abu Karam Saed Ibn Turma von Bagdad zu erwähnen. Er genoß das vollste Vertrauen des Kalifen An-Naser (1180 - 1225), ja, er war sogar dessen Günstling. Der Kalif vertraute ihm alle seine Familien- und Staatsgeheimnisse an. Nun geschah es, daß die Sehkraft des Kalifen nachließ, deswegen beauftragte er seine Frau namens Sit Nasim alle Schriften für ihn zu schreiben. Die Handschrift der Frau glich auffallend der Handschrift des Kalifen. Wenn sie dem Minster ein Schreiben überreichte, dachte der Minister, es wäre vom Kalifen selber und führte die darin enthaltenen Befehle aus, und der Kalif hatte ihr die Geheimnisse des Staates anvertraut. Sie schmiedete mit einem kastrierten Mann namens Tag Ed-Din Raschiq ein Komplott, indem sie dem Minister gefälschte Briefe zukommen ließ. Im Laufe der Zeit schöpfte der Minister Verdacht und erkundigte sich beim Arzt Amir Ad-Daula Abu Karam Saed Ibn Turma von Bagdad nach der Gesundheit des Kalifen. Der Arzt berichtete ihm vom gesundheitlichen Zustand des Kalifen und erzählte auch, daß seine Frau statt des Kalifen die Briefe schreiben würde. Als die Frau merkte, daß sie entlarvt wurde, schickte sie jemanden, der Armin Ad-Daula umbrachte.

In der Zeit, als die Tataren große Gebiete Asiens und Europas besetzten, gewannen die Armeen unter der Führung von Dschingis Khan im 13. Jahrhundert ihre alles entscheidende Schlagkraft. In dieser Zeit diente der weise Abu Salem von Melitene (Malatya) der Syrer - bekannt als Ibn Kraba - dem Sultan Ala-Ed-Din Kiqbath (1219 - 1236) und genoß bei ihm ein hohes Ansehen.
In der Geschichte wird auch erwähnt, daß der Patriarch Ignatios IV. (1264 - 1283) sich in die Hauptstadt der Tataren ("Attag") begab und Holako besuchte. Von ihm erhielt er für sein antiochenisches Patriarchat eine Bestätigungsurkunde. Ein andermal hatte sich der Patriarch auf den Weg begeben, um den König "Abaqa" - den Sohn von Holako - und dessen Thronfolger zu besuchen. Von ihm erhielt er erneut eine Bestätigungsurkunde. Der Mönchs- Priester Schemun der Syrer war der Leibarzt Holakos . Im Jahre 1258 fiel Bagdad an die Mongolen, die sich 1295 zum Islam bekannten.
"Ihren eigentlichen Niedergang aber erlebte die Syrisch-Orthodoxe Kirche gemeinsam mit den anderen Kirchen im Vorderen Orient, als gegen Ende des 13. Jahrhunderts die aus Innerasien eingedrungenen Mongolen den Islam annahmen und ihn weniger tolerant als die Araber vertraten. Buchstäblich dezimiert wurde die orientalische Christenheit schließlich durch den grausamsten Repräsentanten des mongolisch-islamischen Fanatismus; durch Timur Lenk um 1400, der Mesopotamien, Syrien und Kleinaisen durchzog und sich dabei als Todfeind des Christentums verstand."
Wenn man sich dies vor Augen hält, braucht man nicht extra zu betonen, welches unbeschreibliches Elend, Leid, Entbrehrung und Tod die Menschen jener Region erfuhren. Darüber hinaus brauchen wir nicht extra zu erwähnen, was für unwiederbringliche Werke der verschiedensten Gebiete der Wissenschaft und ganz besonders der Theologie durch die Verbrennung von Kirchen, Klöstern und Schulen verlorengegangen sind.
"In diesen Jahrzehnten schrumpfte die Syrisch-Orthodoxe Kirche zur nur noch kleinen Glaubensgemeinschaft zusammen, die in der Neuzeit zwar wieder in einem Einheitsreich (nun dem osmanischen) lebte, zur ehemaligen Größe und Bedeutung aber nicht wieder zurückfinden konnte."
In der Mitte des 15. Jahrhunderts - also im Jahre 1453 - brach dann das byzantinische Reich mit dem Fall von Konstantinopel an die Osmanen zusammen .
In dieser schnellen Reise durch die Jahrhunderte haben wir an bestimmten Stationen angehalten, wo wir das Anhalten für nützlich gehalten haben. Wir lernten auch einige religiöse, wissenschaftliche und politische Persönlichkeiten kennen. Wir versuchten auch, die Hintergründe für die Abnahme der Anhängerzahl und die eingetretene Schwäche der syrischen Kirche im Verlaufe der Jahrhunderte aufzudecken. Wir wissen jetzt, wie sie kämpfte, um zu überleben, und was sie tat, um das angetretene Erbe sowie den Glauben zu bewahren. Nachdem sie geschwächt den Kampf gegen die byzantinische Herrschaft überlebt hatte, atmetete sie mit dem Aufkommen des Islam wieder auf. Es gab in friedlichen und unfriedlichen Zeiten eine Zusammenarbeit. Wir haben auch gesehen, wie ihre Beziehung zur muslimischen Obrigkeit wie zwischen Ebbe und Flut wechselten, und wie die Kirchenväter gemäß dem Gebot Jesu Christi handelten: "Seid daher klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben! "(Mt 10,16).

Nach dem Fall des Reiches der Abbassiden geriet das Land unter die Herrschaft verschiedener, nicht arabischer, mohammedanischer Sultane. Es begannen unsichere Zeiten für die Kirche; sie verlor viele ihrer Glieder. Mehr geschwächt wurde sie, als die Osmanen die Macht übernahmen und nach Festigung ihrer Regierungsgewalt mit den Schicksalen der Menschen zu spielen begannen.
 Der gefährlichste Feind, der die Syrisch-orthodoxe Kirche in ihren Grundfesten erschütterte und beinahe zerstörte, ist jedoch die Unwissenheit und die geistliche Verantwortungslosigkeit, die sich in ihren eigenen Reihen am Ende des 13. Jahrhunderts ausbreitete. Das Chaos begann Überhand zu nehmen, als Haß, Sippendenken und Provinzialismus sich breit machten. Dieser chaotische Zustand der Kirche läßt sich außerdem daraus erklären, daß sie, die Kirche, gleichzeitig drei antiochenische Patriarchen hatte, nämlich einen in Sis, dem die Syrer von Kilikien folgten, einen in Tur Abdin für das dortige Volk und einen in Mardin für alle Syrer des Ostens. Das Patriarchat von Tur Abdin währte 130 Jahre, das von Sis 152 Jahre. So zerrissen sie den Leib Christi. Als der Patriarch Behnam Hadi auf dem Stuhle von Mardin 1412 saß, konnte er die Einigung des Syrisch-antiochenischen Stuhles herbeiführen. 1454 starb er. Da wir versuchen, die Gründe für die zunehmende Schwäche der Kirche aufzudecken, müssen wir auch auf die schrecklichen Ereignisse der Jahre 1895 und 1915 eingehen, die die Kirche unter den Osmanen zu erleiden hatte. In diesen Jahren verlor die Kirche Tausende und Abertausende von unschuldigen Blutzeugen, obwohl sich die Kirche dem Lande der Großväter gegenüber äußerst loyal verhielt. Sie begegnete der zivilen Macht gemäß dem Gebot des Apostels Paulus (Röm 3,1) mit Gehorsam, wie sie es noch immer tut. Die Kirche hat das Protektorat fremder Regierungen abgelehnt, weil sie festen Glaubens ist, daß Gott sie schützt.

Trotz der geringen Anzahl ihrer Kirchenglieder konnte die Syrische Kirche sich wieder konsolidieren. Die Kirche glaubt fest daran, daß ihre Existenz bis jetzt ein Zeichen dafür ist, daß Gott in ihr wohnt, sie stärkt, sie gedeihen und nicht zerfallen läßt. Sie verkörpert jetzt den von den heiligen Aposteln überlieferten Glauben und das tief in ihrer Geschichte verwurzelte, syrische Erbe. Sie bemüht sich, ihre heilige, syrische Sprache, die Sprache Jesu, zu bewahren. Sie strebt nach einer konstruktiven Zusammenarbeit mit allen Völkern der Erde für das Wohlergehen der gesamten Menschheit.

12. Schlußwort

Zum Schluß sage ich ihnen meinen aufrichtigen Dank für Ihr Zuhören und möchte erneut den Verantwortlichen an der Humboldt-Universität in Berlin meinen herzlichsten Dank zum Ausdruck bringen. Sie werden sicher mit mir die Ansicht teilen, daß die Gründe für die Schrecken, Ängste und Unterdrückungen, die die Allgemenheit der Christen auf der ganzen Welt zu erleiden hat, in der immer wieder aufkommenden Gottesferne der Christen und dem Verlassen der Quellen der christlichen Lehren und deren Umsetzung in gute Taten zu suchen sind. Deshalb sollten wir uns nicht wundern, wenn wir von einigen, die das Evangelium studiert und Jesus Christus kennengelernt haben, das sagen hören, was einmal Ghandi - der Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung - auch sagte: "Wir wollen Euren Christus, aber nicht Euer Christentum." Dies mag vielleicht auf die Muslime auch zutreffen. Wir wollen aber die anderen nicht richten. Wir wollen uns selber zur Rechenschaft ziehen. Die Spaltung der christlichen Kirche ist ein großer Fehler, eine Lästerung des Heiligen Geistes und ein Ignorieren der Existenz Christi, der versprach: "Die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen." (Mt 16,18) Lassen Sie uns schnell durch die Geschichte eilen und sehen, daß die Einigkeit der Christenheit nur um Christi willen geschehen kann; er ist das Haupt der Kirche, und wir sind mit all unseren Dogmen nichts weiter als Organe am heiligen Leibe Christi.
Der Satan ist immer noch am Werk. Er stiftet Unruhe, verursacht immer wieder neue Spaltungen, die die Teilung des Leibes Christi und der Kirche bedeuten. Wir müssen vorsichtig sein. Die Politik nützt meistens die Religion aus, um zu ihren weltlichen Zielen zu gelangen. Wir sollten uns in unseren Gesprächen nur auf die geistlichen Themen beschränken, denn das Reich Christi ist nicht von dieser Welt.
Wir wollen die Einigkeit des Christentums nicht, um gegen die anderen Religionen zu kämpfen, sondern damit wir das Ziel, nämlich den konstruktiven Dialog mit den anderen, an Gott glaubenden Religionen schneller erreichen können, und hier ganz besonders den mit den Muslimen, mit denen wir die Heimat teilen. Laßt uns von der Geschichte lernen; laßt uns das vermeiden, was uns spaltet; laßt uns den Weg einschlagen, der uns zu einem besseren Verständnis miteinander führt, zu einem Leben, in dem Liebe und Frieden herrschen. 


Literaturverzeichnis

1. Ahmed Amin, Duha Al Islam, 6. Auflage, Kairo, 1961, S. 59;  Mor Aphrem der Syrer, Biographie über(?) Patriarchen Zakka Iwas I.,
Damaskus, 1981, S. 10, 15.
2. Philip Hi-ti, Chronik von Syrien, Libanon und Palästina, Beirut, 1958, Bd. 1, 413;  Patr. Zakka Iwas I, "Masabih ala At-tarich" (Lampen auf dem Weg), Damaskus, 1984, S. 117
3 Mina, Micheal, Theologie, Ägypten, 1938, S. 275, 277;
4. Ders, Theologie, Bd. 1, S. 322, Bd. 3, S. 592-593.
5. Priester Petrus Nasri al-Kaldani: Dhachirat Al Adn-Han, Mosul, 1907, Bd. 1, S. 221, entnommen von Joseph Schemun Assemani, Bibliotheca Orientalis Bd. 2, Abhandlung 47-53 
6. Nöldeke, Theodor, Prinzen von Ghossan, übers. von  Jandali Cuzi und Qo(n?)stantin Zraq, Beirut, 1933, S. 24-25.
7. Patr. Zakka Iwas I.:   Lampen auf dem Weg, S. 122,
8. Siehe Anm. 5,
9. Patr. Aphram Barsaum, Die wertvollen Kleinpdien in der Geschichte der Kirche, Emesa (Homs), 1940, S. 211-212.
10. Patr. Aphram Barsaum:   Die wertvollen Kleinpdien in der Geschichte der Kirche, Emesa (Homs), 1940, S. 211-212.
11. Zeitschrift "W/?Nisan Al Maschroq", 1. Jahrgang, Nr. 6 u. 7, S. 30; Al-Ja-gubi, Geschichte Bd. 1, S.214, 298; Ibn Khaldun, Geschichte, Bd. 2, S. 158?
 Schokko, Luis, Das Christentum unter den unwissenden Arabern; de Tarzi, Philip, Das goldene Zeitalter der Syrer, S. 25.
11. Patriarch Zakka Iwas, Die Siebenschläferlegende in der syrischen, Aleppo, 1980,
 Patr. Zakka Iwas I.:   Übersetzung der Legende, in der patriachalischen Zeitschrift, Damaskus, 1969, 7. Jahrgang, Nr. 66, 67,
12. Patr. Aphram u. Patr. Jakob III., Himjaritische Märtyrer, S.?
13. "Maphrian" ist ein syrisches Wort, das Der Fruchtbare bedeutet. Es ist eine  kirchliche, unter dem Patriarchen und über dem Bischof stehende Rangstufe. Sein Sitz war in Taghrith, dann wurde er er in das Mor Matthäus-Kloster verlegt und schließlich war er in Mosul;
Bar Hebräus, Die zerstreute Perle, S. 503, Bar Hebräus ist einer der berühmtesten Wissenschaftler der Syrer. Ihm wurde der Beiname
"Enzyklopädie" (Der Enzyklopäde?) gegeben.
14. Chronik der Dynastien, Beirut (Arabisch), 1958, S.94-95
15. Muhjid-Din-Al-Khaj-jat, Lektionen in der islamischen Geschichte, Beirut, Al-Ahlij-ja Verlag, 3. Auflage,1231 Higri
16.  Paret, Rudi     Der koran, Verlag: W. Kohlhammer GmbH, 6.Auflage, Stuttgart, 1979 (Die Übersetzung der Koranverse ist aus dem angegebenen Buch entnommen. Die arabische der Verse wurde beibehalten.)
17. Bischof Isidoros:   Buch der wertvollen Jungfrau der kirchlichen Chronik, Ägypten, 1923, Bd. 2, S. 99-100, dem Buch "Lafridon" entnommen, Bd. 3, S. 31.
18. At-tabari, Chronik der Völker und Knige(?),  Al-Istigma Verlag, Kairo, 1939, Bd. 3, S. 7, und die Mosuler Zeitschrift "Lisan Al- Maschreq", 1. Jahrgang, Januar, 1949, Nr. 5.
19. de Tarazi, Philip - Vikont?:  Das goldene Zeitalter der Syrer, Aleppo, 1991, S. 27-28
20. Das arabische fundamentale Wörterbuch (Larousse), Ambrimto Druckereien, Beurut, Libanon, 1991
21. Mustafa Al ak-kad, Umar'sche Genialist
22. Bar Hebräus, Weltchronik (Syrisch), S. 112-113 Chronik des anonymen Edesseners, Kap. 149, S. 189.
23.Das goldene Zeitalter der Syrer und die Chronik von Michael dem Großen, S. 464.
24. Patr. Aphram Barsaum I.:  Geschichte der syrischen Wissenschaften und Literatur, Bagdad, 1986, S. 338-339 u. Die wertvolle Jungfrau, Bd. 2, S. 201-202 Patriachalische Zeitschrift, 19. Jahrgang, Nr. 6, Juni 1981
25. Das goldene Zeitalter der Syrer, S. 36
26.  Professor Dr. Wolfgang Hage   Hofgeismarer Protokolle, Nr. 286, 1. Auflage 1991, S. 9
27. Ebd.
28. As-sad, Issa, Die reine Nachricht von der christlichen Kirchenchronik, Homs, 1924, S. 225


Übersetzt von Amill Gorgis, Berlin 
Web Master: Gabriel Rabo
First Updated: 09.01.1998
Copyright 1998
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