Simeon d-Taybute
SIMEON (de taibutha), hervorragender Vertreter der ostsyrischen Mönchsmystik in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts. Er lebte zur
Zeit des Katholikos-Patriarchen Henaniso' I. (685-700) und könnte um 680 gestorben sein (s. Mingana, 1). Möglicherweise war er Arzt,
zumindest hatte er eine medizinische Ausbildung erhalten, die er in seinen Schriften reflektiert. Großes Interesse hatte er an der
Physiologie. Die Seelenkräfte wollte er in ihrem Verhältnis zu den körperlichen Funktionen erklären. Ziel des asketischen Bemühens und
des Ringens um mystische Einigung ist bei ihm die »Bekanntschaft des inneren Gebetes des Geistes und des Bewußtwerdens der
Mysterien Gottes durch die Offenbarung der Gnosis« (Blum). Dabei unterscheidet er die Kontemplation Gottes in seinen drei Personen
vom absoluten Nichtwissen.

Quellen: Handschriften sind bei Baumstark (s.u.) verzeichnet. A. Mingana, A Medico-Mystical Work by Simon of Taibutheh (syr. Text
mit englischer Übersetzung), in: A. Mingana, Woodbrooke-Studie 7, Early Christian Mystics, (Birmingham, Selly Oak, Woodbrooke
Settlement for Religious Studies and Social Study), Cambridge 1934, 1-69 und 201-230; Sebastian P. Brock, Simeon the Graceful, On
different kinds of prayer, in: Sebastian P. Brock, Spirituality in the Syriac Tradition, Moran 'Eth'o 2, Kottayam 1989, 113-116 (englische
Übersetzung). Die Quellen zur Person (nur wenig ist bekannt) finden sich bei Baumstark, 209 f.

Lit.: A. Müller, Ibn Abi Usaib'a , Kairo und Königsberg, 1884, 109; - Rubens Duval, Bibliothèque de l'enseignement de l'histoire
ecclesiastique, Anciènnes litteratures chrétiennes II, La litterature syriaque, Paris 3. Auflage 1907 (1. Auflage 1899, 2. Auflage 1901,
Reprint der 3. Auflage Amsterdam 1970), XXIV, 271, 171, 232 und 269; - Anton Baumstark, Geschichte der syrischen Literatur mit
Ausschluß der christlich-palästinensischen Texte, Bonn 1922, <185> 32 g, 209 f.; - A. Mingana, Mystical Works of Simon of Taibutheh
(Prefatory Note), in: A. Mingana (s. Quellen), 1-9; - G.G. Blum, Vereinigung und Vermischung, Zwei Grundmotive
christlich-orientalischer Mystik, OrChr 63, 1979, 41-60; - Sebastian P. Brock, (s. Quellen), 13-15, 35, 102.


Autor: Martin Tamcke
Quelle:  BBKL

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Updated: 11.10.1998
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