Thomas von Edessa

THOMAS von Edessa, ostsyrischer Theologe der Kirche des Ostens (Nestorianer, Assyrer) im 6. Jh. Thomas war einer der
bedeutendsten Schüler des Katholikos Mar Aba (540-552). Aufgewachsen unter der Leitung Mar Abas wurde er dessen Nachfolger auf
dessen Lehrstuhl an der Schule von Nisibis. Zu unterscheiden sind von diesem Lehrer in Nisibis der gleichnamige Lehrer Mar Abas im
Griechischen und Thomas von Harqel, der nicht in Edessa lebte (aber ebenfalls Lehrer an der Schule von Nisibis war). Während seine
Werke zur Exegese, Heterodoxie, Astrologie und Kirchenmusik nicht erhalten sind, sind liturgiewissenschaftliche Arbeiten von ihm
vorhanden. Besonders zwei Abhandlungen über Weihnachten und die Epiphanie werden ihm zugeschrieben (Baumstark: »Eine
eigentümliche Literaturschicht aus mündlichen Vorträgen herausgewachsener Traktate über den Festgehalt der einzelnen heiligen Tage
und Zeiten des Kirchenjahres«). Für eine Reihe von Schriften ist seine Autorschaft fraglich. Außer den äußeren Fakten zu seiner
beruflichen Laufbahn ist von seiner Biographie nichts bekannt (Vööbus: »The rest of his life lies in impenetrable darkness«).

Quellen: Die Quellenstücke aus der Chronik von Se'ert, der Kirchengeschichte des Barhebäus und dem Schriftstellerkatalog des
`Abdischo' (<185> 63) sind bei Baumstark verzeichnet und bei Vööbus ausgewertet. S.J. Carr, Thomas Edesseni Tractatus de Nativitate
D.N. Jesu Christi, Rom 1898, (Weihnachtstraktat 7-10); G. Diettrich, Bericht über neuentdeckte handschriftliche Urkunden zur
Geschichte des Gottesdienstes in der nestorianischen Kirche, Nachrichten der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen,
Philosophisch-historische Klasse, Berlin 1909, 160-218, (Textproben zum Epiphanietraktat 200 f); - Anton Baumstark, Die
nestorianischen Schriften »de causis festorum«, O C 1, Rom 1901, 320-342 (Kapitelverzeichnisse der Traktate 324 f), Ergänzung von
Anton Baumstark in einer Rezension, O C 9, Rom 1911, 332-337, dort: 335.

Lit.: W. Wright, A short history of Syriac literature, London 1894, 117 (Anmerkung 1); - Rubens Duval, Bibliothèque de l'enseignement
de l'histoire ecclesiastique, Anciènnes litteratures chrétiennes II, La litterature syriaque, Paris 3. Auflage 1907 (1. Auflage 1899, 2.
Auflage 1901, Reprint der 3. Auflage Amsterdam 1970), 209 und 347; - Jérôme Labourt, Le christianisme dans l'empire perse sous la
dynastie sassanide (224-632), Paris 1904, 166; - Anton Baumstark, Geschichte der syrischen Literatur mit Ausschluß der
christlich-palästinensischen Texte, Bonn 1920, <185> 18 c, 121-122; - Jean Baptist Chabot, Litterature syriaque, litteratures chrétiennes
de l'Orient, Bibliothèque catholique des sciences religieuses, Paris 1934, 54; - Ignatio Ortiz de Urbina, Patrologia Syriaca, Rom 1958,
<185> 58, 118; - Arthur Vööbus, Nisibis, CSCO 266, Louvain 1965, 173 f (153, 162, 168).
 


Autor: Martin Tamcke
Quelle:  BBKL

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Updated: 11.10.1998
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