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Erneuter Anschlag auf aramäische Familie im Südosten der Türkei

SOLNews (Midyat - 21.03.2007) – Nach Informationen der Föderation der Aramäer in Deutschland (FASD) wurde in der Kreisstadt Midyat, im Südosten der Türkei, erneut ein Anschlag gegen eine aramäische Familie verübt.

Am 17.03.07 warfen die bisher unbekannten Täter eine Handbombe in den Haushof des Kirchenratsvorsitzenden Yusuf Türker. Wegen eines Defekts kam es nicht zur Explosion, so dass Familienmitglieder, die sich zu jenem Zeitpunkt im Garten des Hauses befanden, nicht verletzt wurden.

Das ist nun der vierte Anschlag auf Mitglieder der aramäischen Volkes in der Türkei innerhalb von sechs Monaten. Am 30.08.06 warfen Unbekannte einen Sprengsatz in einen aramäischen Haushalt, dessen Mitglieder zurzeit in Deutschland leben. Am 02.09.06 wurden zwei Aramäer auf offener Straße von kurdischen Dorfschützern überfallen und misshandelt. Ein weiterer Aramäer wurde am 03.10.06 vor seinem Geschäft misshandelt. Der erneute Anschlag lässt sich in die Serie der aufflackernden Gewalt gegen Aramäer im Südosten der Türkei einreihen.

Die Brisanz dieser Anschläge hängt mit den Rückkehrprojekten Aramäischer Familien aus Europa zusammen. Gemeinnützige aramäische Institutionen investieren seit einigen Jahren in den Erhalt und Aufbau der aramäischen Dörfer und Kirchen. Die großflächig angelegten Projekte bezogen sich dabei insbesondere auf den Rückerwerb unrechtmäßig besetzter Grundstücke und Wohnflächen, sowie in den Rückerwerb landwirtschaftlich genutzter Agrarflächen. Diese stehen zwar immer noch im Eigentum der in Europa lebenden aramäischen Familien, doch ihre Verfügungsgewalt wird sowohl von den unrechtmäßigen Besitzern als auch vom türkischen Staat verhindert.

Ausschlaggebend für diese Situation sind die vom türkischen Staat installierten Dorfschützer. Diese wurden im Kampf gegen den kurdischen Terror mit Waffen ausgestattet und sollten in ihrer Funktion einer Bürgerwehr gleichkommen. Gefördert wurde dadurch aber nicht nur der Kampf gegen die PKK, sondern auch die Unterdrückung der aramäischen Bevölkerung. Die schon seit dem Zypernkonflikt erzwungene Migration der Aramäer fand durch die Einsetzung der Dorfschützer ihren Höhepunkt. Erst seit Mitte der neunziger Jahre flachte die Flucht ab. Heute leben von den einst 300.000 Aramäern im Südosten der Türkei nur noch etwa 3.000 Menschen in der Kreisstadt Midyat und den umliegenden Dörfern.

Offen bleibt die Frage, wer hinter diesen Übergriffen auf Mitglieder der aramäischen Gemeinschaft in der Türkei steckt. Der Verdacht fällt nur allzu schnell auf den „tiefen Staat“, von dem schon seit längerer Zeit die Rede ist. Hinter diesem soll ein inoffizieller Zusammenschluss von nationalistischen Politikern, der Justiz und Militärs stecken, der im angeblichen Interesse der türkischen Nation die Feinde des Staates ausschaltet.

Die Spekulationen ändern aber nichts an der aufkommenden Gewalt gegen Aramäer, die anscheinend an Intensivität gewinnt. Vier Übergriffe innerhalb von sechs Monaten bezeugen nicht nur das Versagen des türkischen Staates beim international geforderten Abbau des Dorfschützersystems, sondern sind ein eindeutiges Zeichen der Untätigkeit der staatlichen Gewalt, so die FASD.

 

 

 

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Updated:
05.04.2007
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