Türkische Behörden behindern Wahl des armenischen Patriarchen


[English]
Istanbul - Fast fünf Monate nach dem Tod des armenisch-apostolischen Patriarchen Karekin II. von Istanbul, der am 10. März 1998 verschieden ist, haben die türkischen Behörden noch keinem Termin für die Wahl eines Nachfolgers zugestimmt, meldet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in einem Korrespondentenbericht vom 6. August 1998. Am 16. März war Erzbischof Mesrob Mutafyan zum Thronverweser gewählt worden. 

Die Wahlkommission, die am 21. März eingerichtet worden ist, beantragte beim türkischen Gouverneur einen Wahltermin für Anfang Mai, an dem die 95 Delegierten - 10 Geistliche und 85 Laien - für die mindestens 70.000 orthodoxen Armenier der Türkei, von denen wohl 65.000 in Istanbul leben, einen neuen kirchlichen Vorsteher wählen sollten. 

Der stellvertretende türkische Gouverneur, Osman Demir, tadelte allerdings die Kommission scharf: Sie solle gefälligst warten, bis eine Genehmigung zur Wahl des neuen Patriarchen vorliege. Auf diese wartet man noch immer. Inzwischen hat auch der Gouverneur in die kirchliche Ordnung selbst eingegriffen und mit Schreiben vom 5. Juni gefordert, nicht Erzbischof Mesrob, sondern der 73jährige pensionierte Erzbischof Sahan Saviciyan habe nach dem in der Türkei geltenden Senioritätsprinzip als Locum tenens zu gelten. Die Erklärung des verstorbenen Patriarchen, der Erzbischof Mesrob mit diesem Amt betraut hatte, sei mit dessen Ableben hinfällig geworden. Die Heilige Synode bekräftigte aber trotz der Drohungen Demirs, Zuwiderhandelnde müßten mit Gefängnisstrafen rechnen, die Wahl Erzbischof Mesrobs. Daraufhin erklärte Demir den Erzbischof, der auch als aussichtsreichster Kandidat für das Patriarchenamt gilt, für abgesetzt. 

Die armenische Gemeinde in der Türkei fürchtet nun nicht nur um ihre eigentlich durch den Lausanner Vertrag von 1923, mit dem die kemalistische Türkei die weitere Gültigkeit eines entsprechenden, 1861 erlassenen osmanischen Gesetzes anerkannte, garantierte innere Selbständigkeit, sondern auch, daß die Eingriffe des Staates zu einer neuen Auswanderungswelle von Armeniern aus dem Lande führen könnten. Inzwischen haben etliche türkische Massenmedien, so die Zeitung "Türkiye" und der Fernsehkanal TGRT eine Verleumdungskampagne gegen Erzbischof Mesrob gestartet.


Quelle: Orthodoxie aktuell , Nr. 8/1998.


Web Master Gabriel Rabo
18.09.1998
[HOME] [NEWS]