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Benefizfest zur finanziellen Unterstützung des Mutter-Gottes-Klosters von Hah

SOLNews - Am 31. August 2002 veranstaltete der Verein zur Unterstützung des Mutter-Gottes-Klosters in Hah - Tur Abdin e.V. einen besonderen Festabend (Shahro und Hago) zu Ehren und zur finanziellen Unterstützung des Mutter-Gottes-Klosters von Hah in Marbach bei Bietigheim-Bissengen. Viele Menschen wohnten mit Begeisterung diesem ersten Benefizabend bei, um das Kloster von Hah finanziell und moralisch zu unterstützen.

Der Abend hat mit einer kirchlichen Prozession im Festsaal begonnen, die jedes Mal im Dorf Hah am 15. August, am Shahro (Pilgerfahrtsfest), zum Gedenktag des Heimgangs der Mutter-Gottes Maria zelebriert wird. Die Prozession wurde vom Ortspfarrer Chori Abdalahad Kas Afrem unter Assistenz von anwesenden Priestern, Yevno Cepe (Füssen) und Barsaumo Doğan (Enschede, NL), geleitet. Begleitet wurde sie mit feierlichen syrischen Gesängen und üblichen liturgischen Fächer durch den Chor.

Der zweite Akt des Abends verlief mit den Informationen über das Mutter-Gottes-Kloster und über das Dorf Hah. Chori Abdalahad Kas Afrem trug über die Bedeutung von Hah und daraus hervorgegangenen Bischöfen und Autoren im Laufe der Jahrhunderte vor, Priester Yevno Cepe über die im Syrischen überlieferte Vita der Mutter-Gottes Maria, Priester Barsaumo Doğan über die syrische Kultur und Tradition in Hah, Gabriel Rabo über die keilschriftliche Datierung  von der ehem. Stadt Hah (Habhi 879 vor Chr.) und ihre Frühgeschichte vor und nach christlicher Zeitrechnung und Şabo Hanna über die Nachwirkung der ersten Bischofsstadt Hah Tur Abdins für die Syrische Kirche. Anschließend wurde ein von Gabriel Rabo kommentierter aktueller Videofilm vom Mutter-Gottes-Kloster und von Hah dem Publikum präsentiert.

Der letzte Abschnitt des Abends wurde gefeiert mit syrischer Volksmusik, -tanz und einer spontanen Spenden- sowie Versteigerungsaktion, die zusammen mit weiteren Einnahmen insgesamt € 37.000 einbrachte. Die Großzügigkeit von dem aus Hah stammenden Malke Un und seine Liebe gegenüber das Mutter-Gottes-Kloster soll nicht unerwähnt bleiben. Er allein spendete € 25.000.

Auch seine Vorfahren, genannt Be Bakosa, - laut der Erzählung der Ältesten von Hah - haben (vielleicht im 19. Jh.) eine von ihren Töchtern sterben lassen und konnten somit das Mutter-Gottes-Kloster von den besetzenden Moslems aus Kartmin befreien.  Diese beschlagnahmten das Eigentum des Klosters und wohnten in dem Kirchengebäude. Die Kirche selbst soll damals als Stall für ihr Vieh gedient haben. Noch heute spürt man eine Spur von schwarzem Ruß in den Nebenaltarräumen. Die Besetzungszeit und ihr „Anspruch auf das Kloster“ ist von den Moslems von Kartmin, einem Dorf beim Kloster Mor Gabriel, immer noch nicht vergessen. Das konnte ich persönlich bei ihnen feststellen. (Die Bezeichnung „Kloster“ dafür ist ganz neu. Es ist eigentlich eine Kirche).

Hah und sein Mutter-Gottes-Kloster haben viele Geschichten und unendliche archäologische Spuren hinter sich gelassen. Hah soll einmal 40 Jahre lang von Menschen unbewohnt geblieben und seine Bewohner innerhalb und außerhalb Tur`Abdins zerstreut gewesen sein. Wenn kein weiteres bitteres Großereignis dort den Bewohnern geschehen sein sollte, könnte diese Geschichte vielleicht dann mit der Verwüstung Tur Abdins durch Timur Lenk um 1400 zu tun haben, der die große Mor Sobo-Kathedrale zerstörte, aber „die kleine Kirche der Mutter-Gottes wegen ihrer zu bewundernden Baukunst verschonte“. Die Mor Sobo-Kathedrale ist seitdem eine Ruine und gehört weiter zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten des Tur Abdin. Dieser Tatarenherrscher verstopfte auch die Wasserquelle von Hah. Dies wird in einem in Kerala/Indien verfassten Schreiben aus dem 19. Jh. des syrischen Bischofs Yuyoqim aus Hbob/Tur Abdin bestätigt. Die Metropole Hah, die von unzähligen Ruinen umlegen ist, soll 40 Kirchen gehabt haben. Nach fast 1800 Jahren sind noch über die Hälfte der Kirchenruinen zu identifizieren. In vielen davon existieren syrische Inschriften, die zum Teil bis auf das Jahre 740 AD (Mor Yuhannon/Derasohrke) zu datieren sind. Nach der mündlich tradierten Erzählung sollte die älteste Kirche von Hah aber auch der gesamten Christenheit die Mutter-Gottes-Kirche sein. Die Grundmauer dieser Kirche sei von den Zwölf Magiern oder Königen aus Persien – so die syrische Überlieferung – nach der Rückkehr der drei von ihnen aus Jerusalem zu Ehren Marias gelegt worden sein. Hah war eine Königs- und Bischofsstadt und daher war sie auch ein begehrter Ort für viele Händler und für den Fremdenverkehr. Durch Hah ging die antike Handelsstraße, deren Teile noch heute zu sehen sind, bis zum fernen Osten und nach Indien. Damals lag Hah im Römischen Reich an der Ostgrenze zum Perserreich. Im 4. Jh. soll auch die Kaiserin Helen mit ihrem Sohn, Kaiser Konstantin dem Großen, nach Hah gekommen sein und Reden mit ihren Truppen gehalten haben. Der Ort, wo sie sich aufhielt, heißt noch heute tahta helane- oder schu’o d-helane (Helenfels). Dieses Felsstadium ist Kilometer lang und glatt. Es liegt östlich vom gegenwärtigen Dorf Hah, umgeben von den Ruinen von Kasroke (Palast), einer kleinen Götzenarena sehr wahrscheinlich aus vorchristlicher Zeit, wo in den letzten Jahrzehnten Götzenfiguren von den Einheimischen gefunden wurden.

Hah ist reich an Ruinen und gehört ohne Zweifel zu den alten und wichtigen Städten Mesopotamiens. Dank der Entdeckung der Keilschrifttafel der assyrischen Könige und der Entschlüsselung der Keilschrift überhaupt (ab 1802 in Göttingen) konnte die keilschriftliche Datierung des Namens Habhi für Hah in das Jahr 879 vor Chr. festgestellt werden. Bislang war die Herkunft des hiesigen Namens Hah ein Rätsel. In dem Jahr nahm der assyrische König Assurnasirpal II. (884-859 vor Chr.) Tribut von den Aramäern Tur Abdins und plünderte ihre Städte und Dörfer, die er namentlich erwähnte. Dies waren v.a. Kibaki (Kiwach), Ishtarati (Estir/Sare), Mattiati (Medyad/ Midyat), Zazabuka (Zaz?) und Habhi (Hah). Hier ist die Rede auch vom Land Habhi. Hah war sowohl eine Stadt als auch ein Land, dessen Gebiet sich über große Fläche erstreckte, und dessen König über die ganze Region herrschte. Im 4. Jh. nach Chr. taucht der Name dann als hah(-to) in der Vita des heiligen Samuel († 408), des Gründers des später umbenannten Klosters Mor Gabriel, auf.

Hah ist von einer großen Stadt zu einem kleinen Dorf geworden und beharrt trotz des schweren Lebens und der Auswanderung der Bewohner in den letzten 20 Jahren darauf, von ihren syrisch-aramäischen Urbewohnern weiter bewohnt zu bleiben. Im Jahre 1870 lebten hier 81 Familien, 1915 100, 1981 52, 1994 20 und im Juli dieses Jahres nur 18 (mit insgesamt 114 Seelen). Im Mutter-Gottes-Kloster wohnt zur Zeit Mönchpriester Muşe Gürbüz, der die Gemeinde seelsorgerlich betreut. Mit der Renovierung der Kirche begann man vor drei Jahren. Zuerst sind die Außenfassaden befestigt, dann der Rauputz des Innenfassaden - wie im Kloster Mor Gabriel - komplett entfernt worden; der im Jahre 1901 erbaute große, dekorierte Steinaltar wurde abgebaut und somit die schönen alten Bögen des Allerheiligsten freigelegt. 2001 wurde ein neuer Haupteingang zum Kloster geöffnet und anschließend im August dieses Jahres der Kirchhof mit gehauenen Steinen gefliest. Um diese und weitere Renovierungsmaßnahmen in Hah finanzieren zu können, gründeten die in der Diaspora lebenden Hahoye dieses Jahr einen Förderverein. Mehr darüber in www.hahoye.org .

Hah bleibt archäologisch und historisch ein verborgener Schatz im heiligen Boden und seine Mutter-Gottes-Kirche ein teures kunsthistorisches Juwel im christlichen Orient und im Herzen der Syrischen Kirche, das sich schon längst auch als Wahrzeichen von Tur Abdin weltweit durchsetzte. Die Hoffnung auf große Scharen von christlichen und nicht christlichen Pilgern lebt und wächst jedes Jahr am 15. August, am Pilgerfahrtsfest der Mutter-Gottes Maria.

Gabriel Rabo

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Webmaster: Gabriel Rabo
Updated: 20.09.2001
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