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Metropolit Mor
Julius Yeshu Çiçek mit dem Aram-Preis für die aramäische Sprache und
Literatur ausgezeichnet Von Gabriel Rabo
Nicht nur literarisch hat sich Mor Julius Yeshu
Çiçek einen Namen gemacht, sondern auch im pastoralen Dienst für die
syrisch-orthodoxe Kirche. Seit Übernahme der Leitung der neu gegründeten
Diözese von Mitteleuropa im Jahre 1977 als Patriarchalvikar und seit 1979 als
Bischof investierte er viel Kraft in den Aufbau der Kirchengemeinden der
Diözese, welche sich über sechs Länder erstreckt: Holland, Deutschland (seit
1997 selbstständige Diözese), Belgien, Frankreich, Schweiz und Österreich. Er
erwarb vierzig Kirchen und drei Klöster: Mor Ephrem der Syrer 1981 (NL), Mor
Augin 1996 (CH) und Mor Jakob von Serug 1996 (D); er weihte zahlreiche
Priester, Diakone, Mönche, Nonnen und Subdiakone sowie Lektoren. Darüber
hinaus veröffentlichte er bislang 113 Werke und gibt seit 1978 die
Zeitschrift Kolo Suryoyo
kontinuierlich heraus. Für den Bar ‘Ebroyo Verlag erwarb er 1986 eine
eigene moderne Druckerei, die leider nur ungefähr vier Jahre in Betrieb
gehalten werden konnte. Wegen seiner hervorragenden Leistungen verlieh ihm
der Patriarch Mor Ignatius Zakka Iwas den Titel „Mor Jakob
Burd‘ono des 20. Jahrhunderts“ und begründete dies damit,
„dass Mor Julius seine Diözese mit großem Eifer leitet, Gemeinden baut
und das syrische Volk im Glauben stärkt. Daher ist er würdig, seinen Namen
mit Buchstaben aus Licht in das
Buch der Geschichte einzutragen“. Der heilige Mor Jakob Burd‘ono
(† 578) war derjenige Bischof, der die syrische Kirche im 6.
Jahrhundert mit über achtzig von ihm geweihten Bischöfen reorganisierte, als
die syrische Kirche auf Grund ihrer Verurteilung der Lehre des Konzils von
Chalkedon (451) von den Chalkedonensern massiv verfolgt wurde. Mor Julius Yeshu Çiçek, der 1942 geboren ist,
stammt aus einer Priesterfamilie aus dem Dorf Kafro ‘Eloyto im Tur
Abdin. Seine Eltern, Priester Barsaumo und Bathqyomo Sayde, waren ab 1951 im Pastoraldienst in der nördlich
vom Tur Abdin gelegenen Region Besheriye tätig. Seine Mutter war eine
geweihte Bathqyomo (1), ein
seltenes Amt in der gesamten damaligen Syrischen Kirche, und hatte die
Aufgabe, einen Priester zu unterstützen, vor allem bei der Taufe der
erwachsenen Frauen. Um seinen Eltern bei seelsorgerlichen Aufgaben zu helfen,
ließ sich Mor Julius von 1951-1955 im Kloster Deir Za‘faran theologisch
ausbilden und war zwei Jahre lang im Dienst des gelehrten Bischofs Mor
Philoxenos Hanna Dolabani († 1969) in Mardin, der ihn durch seine
Spiritualität und sein Engagement für die Herausgabe syrischer Bücher
entscheidend beeinflusste. Er vertiefte sich in dieser Zeit vor allem in das
Studium des Syrischen und des Arabischen und erlernte auch den Umgang mit der
Druckerei. 1957 hatte er seinem Vater bei der Betreuung syrischer wie auch
armenischer Familien in den zerstreuten Dörfern des Besheriye beizustehen.
Nach Verlauf eines Jahres weihte ihn Bischof Hanna Dolabani 1958 zum Diakon
und schickte ihn in die Regionen Bitlis und Seert, wo er ca. 270 Menschen
taufte (ohne den heiligen Myron, der nur einem Priester vorbehalten ist) und
sie seelsorgerlichen betreute. Nach dem Massaker an den Syrern im Jahre 1915
blieben die wenigen Überlebenden dort ohne geistliche Betreuung und damit
ohne Empfang der heiligen Sakramente und gerieten so in Vergessenheit. In dieser Zeit entschied sich Mor Julius für ein
Leben als Mönch. Als er 1960 in das Kloster Mor Gabriel kam, wurde er Mönch
und 1969 Priester, geweiht durch den Bischof vom Tur Abdin, Mor Iwannis Afrem
Bilgiç
(1891-1984). Nach dem Ableben des Abtes
Şabo Güneş
übernahm Mor Julius 1962 die Leitung des Klosters
und begann, wie Mor Shmuel und sein Schüler Mor Shemun, die ersten Gründer
dieses Klosters vor 1607 Jahren, das Kloster wieder zu beleben. Er renovierte
die verfallenen Gebäude, schuf Neubauten, befestigte das Kloster mit einer
Mauer, gründete ein Priesterseminar (1963), trug das Kloster und seine
Immobilien ins Grundbuch des türkischen Staates ein (1964), baute eine
Autostraße (1966), versorgte das Kloster mittels eines Generators mit dem
damals in der Region nur selten vorhandenen Strom (1972) und gab die Klosterchronik
in arabischer und türkischer Sprache heraus (1971). Um dies alles zu
finanzieren und die Klostergemeinschaft zu versorgen, unternahm er zweimal
Spendenreisen: 1964 nach Syrien und 1972 nach Europa. Während seines
zwölfjährigen Dienstes bereitete Mor Julius Yeshu das Kloster Mor Gabriel auf
die Mönchsgemeinschaft und die vielen Seminaristen vor, so dass es heute als
Perle im Herzen des Tur Abdin glänzen kann. Das Kloster Mor Gabriel ist
bekannt für die vorbildliche Pflege der syrischen Sprache sowie dafür, dass
die in ihm ausgebildeten Seminaristen als Bischöfe, Priester und Lehrer der
syrischen Kirche dienen, wie das Kloster und seine Mönche damals im 7. und 8.
Jh. die einzigen in der Region waren, die in ihrer theologischen Haltung und
weltlichen Politik gegen die Unterdrücker der syrischen Kirche eine
entscheidende Rolle spielten. Als Mor Julius 1973 in den Libanon reiste, um für
das Kloster Mor Gabriel eine syrische Druckerei zu erwerben und einzurichten,
wurde er unerwartet vom mittlerweile verstorbenen Patriarchen Mor Ignatius
Jakob III. († 1980) beauftragt, die Syrer in der westlichen Diaspora zu
betreuen. So kam er 1974 nach Deutschland und hielt sich von 1975-1977 in den
USA bei Mor Athanasius Yeshu Samuel auf. Dann kehrte er wieder nach Europa
zurück und betreute von der niederländischen Stadt Hengelo aus all die
zerstreuten syrischen Gemeinden in den europäischen Ländern, deren Mitglieder
in den 1960er und 1970er Jahren als Gastarbeiter zum großen Teil aus dem Tur
Abdin kamen. Als die zwei Diözesen von Mitteleuropa und Skandinavien im Jahre
1977 gegründet wurden, übernahm Mor Julius Yeshu Çiçek endgültig die Leitung
der Diözese Mitteleuropas. Der Aram-Preis des Jahres 2003 ist ein deutliches
Zeichen für die Anerkennung und Dankbarkeit im Hinblick auf das geistige und
literarische Werk seiner Eminenz Mor Julius Yeshu Çiçek, der seit 45 Jahren im Dienst der der
syrischen Kirche und für die Pflege des
syrisch-aramäischen Erbes unermüdlich tätig ist. ________________________ (1) Bathqyomo wird als „Tochter des Bundes“ übersetzt und
bezeichnet eine Frau, die ein Gelübde abgelegt hat. Eine geweihte Frau mit
dieser Bezeichnung lebte ursprünglich asketisch und für den Dienst an den
Armen. Zum ersten Mal finden wir diesen Namen bei dem ältesten syrischen
Kirchenvater, Bischof Aphrahat dem Weisen (ca. 280-367), und ist nur in der
syrischen Kirche bekannt. Diese Weihe hat im Laufe der Zeit ihre Bedeutung
verloren und wird heute nicht mehr vollzogen. Jedoch wird die Frau eines
Priesters auch heute noch gewöhnlich als Barthqyomo
bezeichnet, auch wenn sie nicht geweiht ist. |
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Webmaster: Gabriel Rabo
First updated: 12.02.2004
Last updated: 24.02.2004
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