Die türkische Regierung schließt wieder die syrischen Klöster
im Tur‘Abdin

Die Suryoye und syrischen Klöster mit ihren Mönchen wurden nochmals von der türkischen Regierung angegriffen. In einem Schreiben vom 6.10.1997 fordert die Regierung in Ankara die syrischen Kirche Tur'Abdins auf, die Klöster zu evakuieren. In den Klöstern darf nicht mehr gebaut oder die verfallenen Gebäude renoviert werden. Außerdem ist der Unterricht der syrischen Sprache und die Ausbildung des kirchlichen Nachwuchs untersagt. Ebenfalls wurde verboten, daß Besucher und Touristen, die Klöster besichtigen. Betroffen ist das Kloster Dayr Za'faran, das ehemalige Zentrum des syrischen Patriarchen von Antiochien, das Kloster Mor Gabriel, der gegenwärtige Bischofssitz von Tur'Abdin, und das Kloster Mor Yakub von Salah. Nach weiteren Informationen befindet sich ein Mönch eines Klosters in Untersuchungshaft.

Da die Türkei kein Urteil ohne irgend einen Grund zur Schließung der Klöster verhängen kann, werfen die Behörden dem Erzbischof von Tur'Abdin und den Mönchen vor, daß die Klöster angeblich Schützpunkte und "Nester" für PKK und Aufenthaltsorte für ausländische "Spione" seien. Durch diese spekulative Behauptung will die Türkei ihre Aktion rechtfertigen.

Auf diese neuen härteren Maßnahmen der türkischen Regierung haben die Suryoye weltweit scharf reagiert. Von überall kamen Proteste und Kritik. Die syrisch-orthodoxe Diözese von Tur'Abdin, und das Patriarchalvikariat von Mardin mit dem Kirchenrat der syrischen Diözese von Istanbul, haben versucht, darüber mit der türkischen Regierung ins Gespräch zu kommen, was bis jetzt ohne Erfolg war. Der Erzbischof Mor Julius Abdulahad G. Sabo von Schweden hat das Verhalten der Türkei gegenüber die Suryoye im Tur'Abdin scharf kritisiert. Er sagte: Wir leben heute in der Türkei nicht wie in der Vergangenheit, als die Türken unsere Väter (1914) mit dem Schwert massakrierten und unschuldiges Blut vergossen. Wir werden alles tun, unsere Rechte in unseren Heimat zu bekommen. Wir sind - so der Erzbischof - ein ruhiges Volk und keiner darf uns unserer Rechte berauben.

Das Verbot der syrischen Sprache und Schließung der Klöster im Tur'Abdin ist nicht das einzige Mal. Die Klöster waren häufiger Zielscheiben für die türkische Regierung und wurden mehrmals geschlossen. Zuletzt wurde das Kloster Dayr Za'faran 1978 geschlossen und sein Abt zur Gefängnisstrafe verurteilt. Die Klassenräume, in denen man die Seminaristen in christlicher Religion in der syrischen Sprache unterrichtete, wurden sogar bis heute mit Schlössern versehen. Ebenfalls wurde auch das Kloster Mor Gabriel von der Schließung bedroht, wenn die Schüler nicht in die türkischen Schule in Midyat geschickt worden wären, wo sie dann an den Koranunterricht teilnehmen mußten. Die Regierung hat auch damals den Suryoye vorgeworfen , daß in den Klöstern die syrischen Schüler zu Kampftruppen für die Armenier gegen die Türkei ausgebildet würden.

Durch diese Behauptungen und solchen Aktionen der Türkei merkt man wohl ihre Intoleranz gegenüber nicht moslemischen Minderheiten. Deswegen ist die Zahl der Suryoye in den letzten 15 Jahren auf 78% gesunken. 1981 lebten 1749 syrische Familien im Tur'Abdin, 1994 399 und heute weniger als 2374 Menschen. Den Grund der Verfolgung der Suryoye zeigt deutlich und ohne Zweifel einen Anspruch des türkischen Justizministers Mehmet Esat: "Dieses Land ist ein Land der Türken. Wer nicht rein türkischer Herkunft ist, hat in diesem Land nur ein einziges Recht: das Recht Diener zu werden, das Recht Sklave zu sein". (Gestrein, H., Volk ohne Anwalt, Die Kurden Frage im Mittleren Osten, Freiburg 1974, 42).

Auch in den vergangenen Wochen wurde Kritik am Verhalten der Türkei gegenüber Minderheiten in ihrem Land geäußert. Beispielhaft ist die Kritik des türkischen Schriftstellers Kemal Yasar, der in Frankfurt beim Erhalt des Friedenspreises des deutschen Buchhandels sagt: Die Menschrechtsverletzungen - besonders an den Minderheiten - (namentlich hat er auch die Suryoye genannt) werden in der Türkei ständig begangen. Darüberhinaus hat sein deutscher Kollege Günter Grass dazu gemeint, daß er ebenfalls diese Menschenrechtsverletzungen, die in der Türkei praktiziert werden, scharf kritisierte.


Autor: Gabriel Rabo
Updated: 30.10.1997


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