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Die Gesamtansicht des Klosters Mor Jakob von Sarug in Warburg

Der Patriarch trägt sich in das Goldene Buch der Stadt Warburg ein. Oberbürgermeister (l) Mor Dionysius I. Gürbüz, Landrat von Höxter (r)

Der Patriarch trägt sich in das Goldene Buch im Historischen Rathaus ein.

Der Patriarch eröffnet zusammen mit Diözesanbischof Mor Dionyisus Gürbüz und Metropolit Mor Julius J Cicek offiiziell das Kloster. 

Der Patriarch und die Erzbischöfe mit prächtigen liturgischen Gewändern am Altarraum während der Einweihung.

Während der Eucharistiefeier beräuchert der Patriarch die Bischöfe und die Gläubigen im Zelt.

Patriarch und Bischöfe sitzend während der Eucharistiefeier. 

Syrische Bischöfe: v.r: Mor Julius Jeshu Cicek, Mor Philoxenos Yusuf Cetin, Mor Dioskoros Benjamen Atas - sowie der koptische Bischof Amba Damain und der armenische Bischof Korkian.

Der Patriarch unterhält sich mit dem koptischen Bischof Amba Damain (Höxter). Der Bischof ist vom Beruf her Arzt, und trägt das gleiche "Schema" [griechisch] (Quba'to = Kopfmütze) wie die syrischen Mönche bzw. Bischöfe. Die Kopten haben das Mönchs-Schema in der Mitte dieses Jahrhunderts von den Syrern übernommen. 

Der Patriarch vor dem Abschluß der Eucharistiefeier trägt die heiligen Gaben, den Kelch und die Patene.

Der Patriarch sagte zu den beiden Metropoliten - von Deutschland (l) und von Mitteleuropa (r): Paulus hat gepflanzt und Apollos begossen, also Mor Jullius hat das Kloster gekauft und Mor Dionyisus vollendet. Die beiden Hirten während der Danksagung.

Der Patriarch vor der deutschen Presse im Empangsraum des Diözesanzentrums im Kloster. Da die deutschen Journalisten weder Syrisch noch Arabisch verstehen (es ist auch nicht schlimm ;-), übersetzt Aziz Jesho das Interview aus dem Arabischen ins Deutsche.
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Fotos von unserer Fotojournalistin:
Anita Aydin (ein Applaus !!)
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Patriarch Mor Ignatius Zakka Iwas weihte
das Kloster Mor Jakob von Sarug in Warburg ein

Gabriel Rabo

(SOL) - Der Einladung des Diözesanbischofs Mor Dionysius Isa Gürbüz folgend, kam der Patriarch Mor Ignatius Zakka I. Iwas am 25. August 2000 nach Deutschland. Der hohe Gast aus Damaskus, der Patriarch von Antiochien und des ganzen Osten sowie Oberhaupt der Syrisch-Orthodoxen Kirche in der Welt, wurde am Tage danach von der Stadt Warburg herzlich empfangen. Beim Festakt im Historischen Rathaussaal trug sich der Patriarch in das Goldene Buch der Stadt ein und bedankte sich bei der deutschen Bevölkerung für die Gastfreundschaft. In einem Pontifikalgottesdienst vor etwa 10.000 Gläubigen aus ganz Deutschland und den benachbarten Ländern weihte seine Heiligkeit am Sonntag, den 27. August feierlich das ehemalige katholischen Dominikanerkloster in Warburg ein und benannte es nach dem syrischen Heiligen und großen Theologen Mor Jakob von Sarug (451-521).

 An der Einweihungsfeier nahmen außer dem Gastgeber Mor Dionysius Isa Gürbüz weitere sechs syrisch-orthodoxe Metropoliten teil: Mor Julius Yeshu‘ Çiçek von Mitteleuropa, Mor Severius Jamil Hawa von Bagdad und Basra, Mor Philoxenos Yusuf Çetin von Istanbul und Ankara, Mor Kyrillos Afrem Karim, Metropolit des Ostens der USA, Mor Dioskoros Benjamen Atas von Schweden und der bereits im Mai dieses Jahres neu geweihte Bischof Mor Severius Saliba Tuma von Zahle (Libanon). Außerdem waren bei der Feierlichkeit mehrere Bischöfe und Priester aus den östlichen und westlichen Kirchen und nicht zuletzt viele deutschen Politiker zugegen.

Überschwänglicher Beifall brandete in der Klosterkirche, als das Oberhaupt der Syrisch-Orthodoxen Kirche mit den Bischöfen in den Altarraum einzog und mit der eigentlichen Zeremonie der Kircheinweihung anfing. Auf diesen bewegenden Augenblick hat die ganze syrisch-orthodoxe Diözese von Deutschland seit langem gewartet. Der Patriarch weihte den neuen, aus Eichenholz gestalteten Holzaltar mit dem heiligen Myron ein. In einem im Klosterhof aufgeschlagenen großen Zelt feierte er anschließend die heilige Eucharistie, die das Herz jeder liturgischen Feier bildet; Kozelebrant war der Diözesanhirte Mor Dionysius Isa Gürbüz.

In seiner Predigt brachte Mor Ignatius Zakka Iwas zuallererst das Verdienst des Metropoliten Mor Julius Yeshu‘ Çiçek hinsichtlich seiner bisherigen pastoralen Betreuung der syrischen Gemeinden Deutschlands zum Ausdruck. Dabei bezog er sich auf das Pauluszitat, das besagt, daß Paulus gepflanzt und Apollos begossen hat, Gott aber wachsen ließ (1. Kor 3,6). So war nun, setzte er fort, dieses Kloster in der Amtszeit von Mor Julius erworben und während der Amtszeit von Mor Dionysius mit Unterstützung seiner Diözesanpriester und ihres Rates heute vollendet worden. Dies alles aber geschah mit Hilfe der finanziellen Großzügigkeit des syrischen Volkes. Wie es den Fischen ohne Wasser nicht möglich ist, zu leben, so können auch die Syrer aus dem Tur‘Abdin in der Diaspora nicht leben ohne die Nähe der Klöster. Wohin ich gehe - so der Patriarch -, sage ich immer wieder: Die Tur‘Abdiner sind der Honig der Syrer. Ihr Syrer baut und kauft Kirchen und Klöster seit Beginn eurer Auswanderung bis heute, ohne müde zu werden. Da ihr mit starkem Glauben aus dem Tur‘Abdin in die Diaspora gekommen seid, seid ihr ein lebendiges Volk und ein gutes Vorbild für die anderen Völker, betonte das Kirchenoberhaupt mit großer Begeisterung vor den Gläubigen. 

Im Folgenden setzte der Patriarch in seiner Predigt weitere Akzente. Dabei warnte er einerseits die Priester und forderte sie auf, ihren Dienst wahrzunehmen und den wahren Glauben der Kirche zu lehren, für den die syrischen Kirchenväter ihr Blut vergossen haben, sowie gute Vorbilder für ihre Gemeinden zu sein. Er warnte andererseits aber auch die Menschen, die der Kirche Schaden zufügen. Er machte die Gläubigen deswegen darauf aufmerksam, sich von solchen „Streitsüchtigen und Zerstörern“ fern zu halten und ihnen keinen Platz unter ihnen einzuräumen.

Das Kirchenoberhaupt Mor Ignatius Zakka Iwas lenkte seine Rede auch auf die syrische Sprache und sprach vom Glück der Tur’Abdiner, daß Gott ihnen eine gute Gabe geschenkt hatte, nämlich das Syrische, das sie sprechen und das Jesus Christus von allen Sprachen als Muttersprache gewählt hatte. Er empfahl ihnen, ihre Kinder zu unterweisen, diese heilige Sprache zu sprechen und zu schreiben. Darüber hinaus machte er alle Syrer darauf aufmerksam, das Syrische gut zu pflegen und es vor Fremdwörtern zu bewahren.

Der Diözesanbischof Mor Dionysius Isa Gürbüz bedankte sich beim Patriarchen Mor Ignatius Zakka Iwas für seine Anwesenheit und für seine historische Klostereinweihung. Er sagte über ihn: „Der Stern des Ostens ist zu uns gekommen, durch den alle Feste und Feiern vollkommen werden“, und würdigte sein Lebenswerk und Verdienst in der Syrisch-Orthodoxen Kirche. Der Patriarch vollendete am 14. September sein 20. Amtsjahr als Oberhaupt der Kirche. Mor Dionysius sprach in Bezug auf die Klostereinweihung und die zahlreich erschienenen Syrer vom „historischen Tag“. „Wo das syrische Volk ist, dort ist auch der Tur‘Abdin. Wir sind heute im Tur‘Abdin“, sagte der Erzbischof. Er machte den Gläubigen deutlich, daß das Kloster der Ort für die syrische Kultur und das „Nest“ für die syrische Jugend und das syrische Volk sein soll.

Der heilige Mor Jakob von Sarug wurde 451 im Dorf Kurtam am Euphrat geboren. Er absolvierte seine theologische und philosophische Ausbildung in der berühmten Schule in Edessa, die von Ephrem dem Syrer (303-373) nach seiner Flucht aus Nisibis gegründet worden war. Dort trat er in den Mönchsorden ein und soll im Alter von 22 Jahre mit seiner dichterischen Laufbahn vor den fünf anwesenden Bischöfen begonnen haben. Mor Jakob  wurde vor 503 Periodeut (Visitator) in Haura in Sarug und wurde im Jahre 519, fast zwei Jahre vor seinem Tode, zum Bischof der Diözese Batnon in Sarug geweiht, wo er am 29.11.521 im Alter von 70 Jahren starb. Seine Reliquien wurden viel später nach Amid (heute Diyarbakir) in die in seinem Namen geweihte Kirche (neben der Mutter-Gottes-Kathedrale) verlegt. Mor Jakob war ein großer Theologe und poetischer Schriftsteller, der 763 Mimre in 70 großen Bänden und viele weitere Werke verschiedenster Art verfaßt hat. Viele seiner zwölfsilbigen Mimre haben neben den Hymnen des heiligen Ephrem des Syrers als solche einen festen Platz in der Liturgie der syrischen Kirche gefunden. Er wurde als die „Flöte des Heiligen Geistes“ und „Harfe der gläubigen Kirche“ bezeichnet. Im liturgischen Kirchenjahr gedenkt die syrische Kirche des heiligen Mor Jakob von Sarug am 29. November, die armenische Kirche am 25. September und die maronitische Kirche am 5. April.

Das neu geweihte Kloster Mor Jakob von Sarug in der westfälischen Kleinstadt Warburg wurde den Dominikanern der Provinz „Teutonia“ am 28.8.1996 von der syrisch-orthodoxen Kirche in Mitteleuropa in Höhe von DM 1,9 Mio. abgekauft. Dann wurde es im Inneren bis kurz vor seiner Einweihung weitgehend renoviert, wobei die Zimmer vergrößert wurden. Das Kloster hat eine Kirche mit 400 Sitzplätzen, zwei Kapellen, 66 möblierte Zimmer, einen großen Bibliotheksraum mit weiteren Lese- und Unterrichtssälen, zwei Konferenzräume, ein Refektorium, eine große Gemeinschaftsküche, die Bischofs- und Verwaltungsanlage, zahlreiche Aufenthalts- und Freizeiträume sowie eine große Gartenanlage. Das Gesamtareal des Klosters beträgt 22.456,00 qm. Die Gründungsgeschichte des Klosters, das verschiedene Bauperioden hinter sich hat, soll Ende des 12. Jahrhunderts angesiedelt sein. Die gegenwärtige Fassade soll aus dem Beginn dieses Jahrhunderts stammen. Das Innere aber wurde von 1955-56 vollkommen renoviert.

Bereits im Oktober 1997 war in dem jetzt erworbenen Kloster Mor Jakob von Sarug die erste Feier der heiligen Eucharistie in aramäischer Sprache nach dem ältesten Ritus der syrisch-orthodoxen Kirche in Anwesenheit des Patriarchen von Antiochien zelebriert worden. Damals weilte der Patriarch inoffiziell in Deutschland und besuchte das Kloster. Das Kloster ist seit der Gründung der neuen Diözese in Deutschland im Jahre 1997 die Residenz des Diözesanbischofs Mor Dionysius Isa Gürbüz und damit Zentrum der syrisch-orthodoxen Kirche in Deutschland. Hier besteht seit 1998 außerdem ein Theologisches Seminar mit 25 Seminaristen, die die deutsche Schule besuchen und in syrischer Theologie von drei Mönchen und weiteren Lehrkräften unterrichtet werden. Zur syrisch-orthodoxen Diözese von Deutschland gehören derzeit 43 Kirchengemeinden mit 28 Kirchengebäuden und ca. 60.000 Syrisch-Orthodoxe.

Der pastorale Besuch des Patriarchen und die Einweihung des syrischen Klosters waren der Höhepunkt des heiligen Jahres 2000 in Deutschland. Das neue Kloster möge eine Zuversicht und eine Burg des Glaubens für die heimatlosen Aramäer in der neuen Heimat Deutschland und damit auch ein ökumenischer Begegnungsort aller Christen im neuen Jahrtausend sein. 

Vor Beginn der Klostereinweihung. Der Mönch Dayroyo Melke Ürek (Dayr Za'faran).

Der Innenraum der Klosterkirche.

Bei der Ankunft des Patriarchen im Kloster Mor Jakob von Sarug. Der heilige Vater segnet die Gläubigen mit dem Kreuz. Im Hintergrung Bischof Mor Severius Hava von Bagdad und Kasho Yusuf Harman.

Der Patriarch im Historischen Rathaus in Warburg mit dem apostolischen Hirtenstab.

Der Patriarch und die Bischöfe während der Einweihung des Altars.

Mor Dionysius Isa Gürbüz salbt das "Königliche Tor" mit dem heiligen Myron.

Der Nachfolger des Apostels Petrus, Patriarch von Antiochien während seiner Predigt. Nach alter syrischer Tradition hält das Oberhaupt seine Predigt mit Kreuz und liturgischem Stab, dem Symbol des wahren Hirten.

Der Diözesanbischof Mor Dionysius Isa Gürbüz bezeichnet während seiner Predigt den Patriarchen als "Stern des Ostens" und fährt fort: "Durch ihn werden alle Feste und Feiern vollkommen" .

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Webmaster: Gabriel Rabo
Updated: 19.09.2000
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