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Papst Johannes Paul II. besuchte den Patriarchen von Antiochien Moran Mor Ignatius Zakka I. Iwas in Damaskus

 

Gabriel Rabo

Damaskus (SOL) - Papst Johannes Paul II. besuchte am 6.5.2001 während seiner Pilgerreise in Syrien das Oberhaupt der Syrisch-Orthodoxen Kirche Moran Mor Ignatius Zakka I. Iwas in seiner Residenz. Der Patriarch empfing den Papst in Begleitung von einigen orthodoxen und katholischen Oberhäuptern sowie Bischöfen in der Patriarch-Mor Georges-Kathedrale in Bab Touma. Dort waren auch viele syrisch-orthodoxen Metropoliten anwesend.

Der Patriarch sprach in seiner Ansprache an den Papst von einem „historischen Besuch am Beginn des 21. Jahrhunderts“. Zum ersten Mal besucht ein römisch-katholischer Papst einen syrisch-orthodoxen Patriarchen in der Patriarchenresidenz. Die beiden Oberhäupter trafen sich einige Male zusammen; das erste und bedeutendste Mal war 1984 in Rom. Der Patriarch war damals auf einer Apostolischen Visite bei der syrisch-orthodoxen Kirche in Europa und weihte das in den Niederlanden gegründete erste syrische Kloster Mor Ephrem der Syrer in der westlichen Diaspora ein.

Mor Ignatius Zakka Iwas brachte in seiner Audienz wichtige historische Punkte zum Ausdruck, nämlich die Gründung des ersten Apostolischen Stuhls in Antiochien durch den Apostelfürsten Petrus und die Bedeutung der syrisch-aramäischen Sprache - die offizielle Kirchen- und Muttersprache der Syro-Aramäer, die von Jesus Christus und seinen Jüngern gesprochen wurde. Der Apostel Petrus gründete den heiligen Apostolischen Stuhl von Antiochien im Jahre 37 n.Chr. und dann den von Rom, wo er das Martyrium erlitt. In Antiochien wurden die Jünger Christi auch zum ersten Mal „Christen“ genannt (Apg 11,26). „Wir sind stolz darauf, dass die Väter unserer Kirche die alten historischen Wurzeln der Syrischen Kirche von Antiochien bewahrt und das Licht des Evangeliums in die verschiedenen Teile der Welt gebracht haben“, so das Oberhaupt der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien.

Er führte seine Rede fort, indem er sagte, dass das frühere Christentum in Ost und West eine Einheit im Glauben genoss, alle vier Apostolischen Patriarchate, nämlich das von Rom, Alexandrien, Antiochien und Konstantinopel, bildeten im Glauben eine Einheit und die Gläubigen dieser Kirchen lebten in Eintracht miteinander, bis zur Synode von Chalcedon im Jahre 451, als das Schisma zwischen Ost und West besiegelt wurde. Auf dieser Synode ging es um die christologische Lehre von „zwei Naturen“ Christi, was aber später eine lange andauernde und schwerste politische Welle von Verfolgungen brachte, so dass der Patriarch seine bisherige Residenz Antiochien verlassen musste.

Diesbezüglich wies Mor Ignatius Zakka Iwas auf die infolge dessen entstandenen Anathemen und Verfluchungen, die 1520 Jahre lang andauerten. Er erinnerte den Papst an den ersten Schritt der Versöhnung, als sein Vorgänger Mor Ignatius Jakob III. und Papst Paul VI. 1971 in Vatikan zum ersten Mal seit der Kirchentrennung auf Syrisch und Latein zusammen beteten. Zuvor aber nahm das syrische Patriarchat die Einladung des Vatikans an, einen offiziellen Beobachter zum Vatikanischen Konzil 1962 zu entsenden. Dieser Beobachter war damals der gegenwärtige Patriarch selbst, als er noch Mönchpriester war.

Der Patriarch sprach zum Papst über seinen ersten Besuch im Jahre 1984 bei ihm im Vatikan, als die beiden ein historisches Kommuniqué zwischen den Apostolischen Kirchen von Antiochien und von Rom unterzeichneten. Im Kommuniqué hoben der Patriarch und der Papst die bisherigen Missverständnisse auf und vereinbarten eine pastorale Zusammenarbeit, dass nämlich die Gläubigen beider Kirchen bei Bedarf von einem rechtmäßigen Priester der jeweiligen Kirche die Sakramente der Busse, der Eucharistie und der Krankensalbung gegenseitig empfangen dürfen.

Danach fügte der Gastgeber in Bezug auf die Einheit der Kirche hinzu: „Während der Bemühung, eine volle Einheit zu erreichen, müssen wir einander gegenseitig anerkennen. Unsere Botschaft ist es, die Stimme des Volkes an Gott und die Stimme Gottes an das Volk zu übermitteln“, so der Patriarch. Die katholische Kirche beansprucht wegen des durch den Apostel Petrus gegründeten Stuhls die Obrigkeit der Kirche, was aber weder bei den westlichen, noch bei den östlichen Kirchen unannehmbar ist. Den ersten und ältesten von Petrus gegründeten apostolischen Stuhl ist der von Antiochien, der in der Sukzession der Patriarchen von Antiochien nur der Patriarch der syrisch-orthodoxen Kirche rechtmäßig innehat. Noch während der alten kirchlichen Streitigkeiten ernannte die Kirche von Rom und Byzanz Bischöfe als Patriarchen von Antiochien. So ist ihre Anzahl heute bis auf weitere sechs „Patriarchen von Antiochien“ gestiegen.

Anschließend würdigte der Papst in seiner Ansprache, die nicht direkt an den Patriarchen von Antiochien, dem Gastgeber, adressiert war, sondern „an die Kleriker und Laien der orthodoxen und katholischen Kirchen“, den Patriarchen Mor Ignatius Zakka Iwas wegen seines ökumenischen Engagements und seiner pastoralen Zusammenarbeit. Auch der Papst brachte den historischen Besuch des verstorbenen Patriarchen Mor Ignatius Jacob III. 1971 und des gegenwärtigen Patriarchen 1984 sowie das gelungene Kommuniqué zum Ausdruck. Außerdem sprach der Gast aus Rom auch über das geistliche Reichtum und die „wunderbare Produktivität der Tradition“ der Syrischen Kirche und nannte u.a. die Heiligen Paulus, Ignatius von Antiochien, Ephrem den Syrer, „die Harfe des Heiligen Geistes“, „dessen Werke schnell in alle Sprachen der Christen des Altertums übersetzt wurden“, Johannes Chrysostomus und Simon den Styliten. „Meine leidenschaftliche Hoffnung ist es, dass die Christen überall nochmals ihre Herzen für den geistlichen und dogmatischen Schatz der Kirchen der syrischen Tradition öffnen werden“, so der Papst. Am Schluss seines Besuchs im Syrischen Patriarchat sprach das Oberhaupt der katholischen Kirche das vom Bischof oder Priester gesprochene Entlassungsgebet aus der westsyrischen Liturgie: „Gehet in Frieden meine Geliebten ...“ Am Ende sprach der Papst auf Syrisch den Namen der Mutter-Gottes „Yoldat Aloho“.

Die beiden Nachfolger des Apostelfürsten Petri tauschten anschließend Erinnerungsgeschenke aus. Der Patriarch überreichte dem Papst einen vergoldeten Kelch und eine Patene sowie die drei neu erschienenen Dokumentar-Bücher und -Filme „Die verborgene Perle . Die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien und ihre aramäische Erbe“. Der Papst schenkte dem Patriarchen ein gemaltes Mutter-Gottes-Bild.

Vor dem Besuch des Papstes in das Syrische Patriarchat nahmen die beiden in Damaskus residierenden Patriarchen Mor Ignatius Zakka Iwas und Ignatius Hazim IV. der Griechisch- oder Rum-Orthodoxen Kirche aus Solidarität mit dem Papst als Gäste an der Papstmesse im Abassiden-Stadion von Damaskus teil. Der Papst und zwei Patriarchen tauschten den Friedensgruß am Altar.

Der Papst besuchte vorher auch den griechisch- oder rum-orthodoxen Patriarchen Ignatius Hazim IV. Der Gastgeber räumte neben dem Papst einen Platz den syrisch-orthodoxen Patriarchen Mor Ignatius Zakka I. Iwas ein. In der griechisch-orthodoxen Kathedrale beteten gemeinsam die zwei Patriarchen und der Papst das „Vaterunser“ in der griechischen, syrischen und lateinischen Sprache.

 

Für die Ansprache des Patriarchen und des Papstes
 siehe SOLLibrary.

 

Der Patriarch hält seine Ansprach an den Papst im syrisch-orthodoxen Patriarchat.

 

Der Patriarch überreicht dem Papst einen vergoldeten Kelch als Freundschaftsgeschenk zwischen den beiden Kirchen von Antiochien und Rom.

 

Der Papst zwischen den Patriarchen Mor Ignatius Zakka Iwas (r.) und Ignatius Hazim (l.) im rum-orthodoxen Patriarchat während eines Gebetes auf Syrisch.

 

Der Papst und die zwei Patriarchen Mor Ignatius Zakka Iwas und Ignatius Hazim sowie katholische Kardinäle und orthodoxe Metropoliten.

 

Der Papst und die zwei Patriarchen umgebend von den katholischen und orthodoxen Metropoliten.

 

Aus freundschaftlicher Geste begleiten die beiden Patriarchen Mor Ignatius Zakka Iwas und Ignatius Hazim den Papst während seines Besuches in Syrien. Hier sind sie in der zerstörten rum-orthodoxen Kirche in Gohlan.

 

Der Papst beim Beten in der zerstörten rum-orthodoxen Kirchen. Umgebend von den Patriarchen: Mor Ignatius Zakka Iwas (r.), Kardinal Sfeir der Maroniten, ein kath. Bischof, Ex-Patriarch Kardinal Musa Daud der syrischen Katholiken, Ignatius Hazim, Gregorius Laham der Melkiten.

 

Die gleiche Szene.

 

Der Papst gibt dem Patriarchen Mor Ignatius Zakka Iwas die Hand in der zerstörten rum-orthodoxen Kirche. Die beiden sind mit einander gut befreundet.

 

Der Papst empfängt in der Anwesenheit des Staatspräsidenten Bashar Al-Assad die Patriarchen nach seiner Ankunft in Damaskus: Ignatius Hazim, Gregorius Laham, Mor Ignatius Zakka Iwas.

 

Ein syrischer Bischof küsst die Hand des Papstes aus Demut. Würde ein katholischer Bischof auch so die Hand des Patriarchen von Antiochien küssen?


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Webmaster: Gabriel Rabo
Updated: 02.07.2001
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