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Völkermord an die Armenier und Aramäer durch die Türkei verurteilen !

Petition
Es ist Zeit: Völkermord
[an die Armenier und Aramäer durch die Türkei] verurteilen!
Podiumsdiskussion am 9.4.2000 in Berlin

Pressekonferenz am 17.4.2000 in Berlin

 Es ist Zeit: Völkermord verurteilen !

Mit Deportationen, Vertreibung und organisiertem Massenmord betrieb die regierende türki-sche Nationalistenpartei „Komitee für Einheit und Fortschritt“ in den Jahren 1914 bis 1918 die Türkisierung Kleinasiens. Beim Friedensschluß von Lausanne 1923 war fast die ge-samte christliche Bevölkerung von fünf Millionen Menschen - Armenier, Griechen, arabische und aramäische (Syrisch-Orthodoxe, Nestorianer, Chaldäer) Christen - beseitigt worden. 1916 erfolgten die ersten Zwangsumsiedlungen von Kurden.

Systematisch vernichteten die „Jungtürken“ 1915 die armenische Bevölkerung. Der Welt-krieg und die Ausschaltung des Parlaments erleichterten den Völkermord: Binnen weniger Wochen wurden die intellektuellen und politischen armenischen Wortführer festgenommen, gefoltert und ermordet, anschließend die übrigen Männer massakriert und Frauen, Kinder sowie Alte zu Fuß über Hunderte von Kilometern in Wüstengebiete getrieben: Ein Todes-marsch, bei dem Hunger und Seuchen die Hauptvernichtungsmittel bildeten. Nach Schät-zung der deutschen Botschaft zu Konstantinopel vom Oktober 1916 waren von 2,5 Millio-nen Armeniern des Osmanischen Reiches anderthalb Millionen umgekommen.

Als „Verbrechen gegen die Gesetze der Menschlichkeit“ verstieß der Völkermord an den Armeniern gegen internationale Abkommen, namentlich gegen die Martenssche Klausel in der Präambel der Haager Landkriegsordnung (1899, 1907). Die „humanitäre Intervention“ Großbritanniens, Frankreichs und Rußlands, die am 24. Mai 1915 der türkischen Staatsfüh-rung ein internationales Strafgericht nach Kriegsende androhten, bildete den ersten Ver-such der Staatengemeinschaft, einen Völkermord zu verhindern. Da aber das Verbrechen ungestraft blieb, fand der Massenmord an den Armeniern Nachahmer. Zwischen dem Völ-kermord an den Armeniern und der Vernichtung der europäischen Juden bestehen kausale Zusammenhänge sowie Parallelen.

Seit Gründung der Republik Türkei haben alle ihre Regierungen die Realität des Genozids von 1915 bestritten. Ihr fortgesetztes Leugnen fügt dem armenischen Volk seit Generatio-nen schwersten moralischen Schaden zu.

Deutschland besitzt aufgrund seines Militärbündnisses mit der osmanischen Türkei eine besondere Stellung sowohl in der türkischen, als auch in der armenischen Geschichte. Sei-ne in beinahe allen Provinzhauptstädten vertretenen Konsuln konnten die Etappen der Ar-meniervernichtung genauer dokumentieren als die Diplomaten der türkischen Kriegsgegner. Einzelne Deutsche leiteten als Angehörige der osmanischen Armee militärische Aktionen gegen die armenische Zivilbevölkerung. Die Staatsführung des Kaiserlichen Deutschland nahm den Völkermord wegen „höherer Interessen“ billigend in Kauf und verhängte Militär-zensur über die Türkeiberichterstattung. In der ersten deutschen Republik fanden einige der hauptverantwortlichen türkischen Partei- und Staatsführer Unterschlupf, obwohl sie 1919 in ihrer Heimat wegen Kriegsverbrechen und Massenmord an den Armeniern zum Tode ver-urteilt waren. Indem Deutschland türkische Auslieferungsbegehren ignorierte, behinderte es damals den ersten und einzigen Versuch einer rechtlichen Aufarbeitung des Völkermords an den Armeniern.

Die Bundesrepublik Deutschland ist Heimat der größten türkischen Diasporagemeinschaft und Heimat deutscher Staatsbürger armenischer Abstammung. In ihrem Namen wenden sich die Unterzeichner an den Staatspräsidenten der Bundesrepublik sowie an den Prä-sidenten und die Mitglieder des Deutschen Bundestages:

- Erkennen Sie die Tatsache des Völkermordes an den Armeniern an! Folgen Sie dem Bei-spiel internationaler und nationaler Gremien: dem Weltkirchenrat, dem Europäischen Par-lament, der UN-Menschenrechtskommission, den Parlamenten bzw. Senaten Argentiniens, Belgiens, Bulgariens, Frankreichs, Griechenlands, Kanadas, Libanons, der Rußländischen Föderation, Uruguays, der USA und Zyperns. Auch Papst Johannes Paul II. hat den Völ-kermord anerkannt.

- Fordern Sie die Regierung und den Gesetzgeber der Republik Türkei auf, die historische Tatsache des Völkermordes anzuerkennen und damit der Bedingung zu entsprechen, die das Europäische Parlament mit seiner am 18. Juni 1987 verabschiedeten „Resolution zur politischen Lösung der Armenischen Frage“ an die Vollmitgliedschaft der Türkei gestellt hat. Sie tragen damit unmittelbar dazu bei, Gerechtigkeit für die Nachfahren der Opfer wieder-herzustellen. Sie helfen, die Spirale von Verbrechen, Straflosigkeit und Wiederholung zu durchbrechen, die das 20. Jahrhundert zum Jahrhundert der Völkermorde machte.

Ebenso unterstützen Sie mit dieser Entscheidung die Demokratisierungsprozesse innerhalb der Türkei sowie jene türkischen Staatsbürger, die in ihrer Heimat für den Versuch einer sachlichen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit strafrechtlich belangt werden. Die Anerkennung des Völkermordes von 1915 seitens der türkischen Regierung ist als vertrau-ensbildende Maßnahme ebenfalls geeignet, die armenisch-türkischen Beziehungen zu ver-bessern und zu Entspannung und Frieden in der Region beizutragen.

Erstunterzeichner:

  1. Zentralrat der Armenier in Deutschland e.V. (ZAD)
  2. Zentralrat deutscher Sinti und Roma e.V.
  3. Föderation der syrischen (aramäischen) Vereine in der BRD e.V.
  4. Erzbischof Karekin Bekdjian, Primas der Armenisch-Apostolischen Kirche in Deutschland
  5. Informations- und Dokumentationszentrum Armenien
  6. Institut für Armenische Fragen e.V.
  7. Gesellschaft für bedrohte Völker e.V., Koordinationsgruppe Armenien
  8. Armenische Landsmannschaft zu Bayern e.V.
  9. Armenischer Kulturverein in Hessen e.V.
  10. Armenische Gemeinde zu Berlin e.V.
  11. Gemeinde der Armenischen Kirche zu Berlin e.V.
  12. Armenische Gemeinde zu Duisburg e.V.
  13. Verein Armenischer Mediziner in Deutschland e.V.
  14. Armenischer Unternehmer-Verein e.V.
  15. Deutsch-Armenische Gesellschaft e.V.
  16. Armin T. Wegner-Gesellschaft
  17. H.O.M. - Armenisches Hilfswerk in Deutschland e.V.
  18. Verein zur Förderung der armenischen Kultur und Wohltätigkeit e.V.
  19. Stiftung für Armenische Studien im Stifterverband der Deutschen Wissenschaft
  20. Verein der Völkermordgegner e.V.
  21. Verein der Völkermordgegner e.V., Sektion Nürnberg
  22. TÜDAY e.V. Menschenrechtsverein Türkei/Deutschland
  23. Assyrische Union Berlin e.V.
  24. Verein der Pontier in Berlin „I Ipsilantides“ e.V.
  25. Mezopotamisches Kulturzentrum (Nürnberg)
  26. Türkisch-Kurdische Freundschaftsinitiative (Nürnberg)
  27. Bremer Chorwerkstatt e.V.
  28. Pax Christi Berlin - Internationale Katholische Friedensbewegung im Erzbistum Berlin
  29. Internationaler Konvent Christlicher Gemeinden in Berlin und Brandenburg e.V. - Ver-band fremdsprachiger Kirchen und Missionen

Folgende Verbände unterstützen den Aufruf „Es ist Zeit: Völkermord verurteilen“

  1. Internationaler Verein für Frieden und Gerechtigkeit - Pro Humanitate e.V., Köln
  2. Koordination „Gerechtigkeit und Frieden“ der Franziskaner

[Namen der einzelnen Unterstützer werden hier in Suryoyo Online nicht veröffentlicht]


P o d i u m s d i s k u s s i o n

BELASTET MIT DER VERGANGENHEIT,
PROBLEMATISCH IN DER GEGENWART:
DIE TÜRKEI SOLL EU-MITGLIED WERDEN

am Sonntag, 9. April 2000, 19 Uhr
ORT: „HAUS DER DEMOKRATIE“, Großer Saal
Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin (Prenzlauer Berg)
(Bus 100, Straßenbahn 2, 3, 4 bis Haltestelle „Am Friedrichshain“)

1999 wurde die Kandidatur der Türkei als Vollmitglied in der Europäischen Union anerkannt. Die rot-grüne Bundesregierung befürwortet einen zügigen Beitritt des NATO-Staats, der schon im Ersten Welt-krieg deutscher Waffenbruder war. Doch ist die heutige Türkei europareif? Erfüllt sie bereits die Aufla-gen, die das Europäische Parlament 1987 zur Voraussetzung des türkischen Beitritts erhob? Zu den Stolpersteinen auf dem Weg nach Europa gehören die Vergangenheitsbewältigung, in erster Linie der von bisher jeder türkischen Regierung geleugnete Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern in den Jahren 1915/16. Die Teilung und militärische Besetzung (Nord)Zyperns, die ungelöste Kurdenfrage, anhaltende Repressionen gegen religiöse und ethnische Minderheiten sowie allgemeine Menschen- und Bürger-rechtsdefizite bilden weitere Belastungen für den EU-Beitritt.

85 Jahre nach dem Genozid diskutieren erstmalig Vertreter der aramäischen, armenischen, kurdischen und türkischen Gemeinschaft Deutschlands mit Experten aus Wissenschaft und Politik über die Fähig-keit der Türkei zur Vergangenheitsbewältigung und die Kriterien für ihre Aufnahme in die EU.

Im Podium:

Claudia Roth, MdB (Bündnis 90/Die Grünen), Vorsitzende des Ausschusses für Menschenrechte und Humanitäres des Deutschen Bundestages (angefragt)
Ozan Ceyhun, MdEP (angefragt)
Prof. Dr. Udo Steinbach (Direktor des Deutschen Orient-Instituts, Hamburg)
Ali Ertem (Vorsitzender des Vereins der Völkermordgegner e.V., Frankfurt)Alice Maroukhian (Stellv. Direktorin des Instituts für Armenische Fragen e.V., München)
Dr. Aschot Manutscharjan (Historiker und Publizist, Bonn)
Gevriye Çelik, Zweiter Sekretär der Föderation der syrischen (aramäischen) Ver-eine in der BRD e.V.
Moderation: Dr. Tessa Hofmann (Gesellschaft für bedrohte Völker, Berlin)

Veranstalter:

Gesellschaft für bedrohte Völker, Koordinationsgruppe Armenien
Zentralrat der Armenier in Deutschland e.V.
Informations- und Dokumentationszentrum Armenien
Institut für Armenische Fragen e.V.


PRESSEKONFERENZ

am Montag, den 17. April 2000, 10 Uhr

in der Katholischen Akademie Berlin,
Hannoversche Str. 5
10115 Berlin-Mitte
Seminarraum 2

zum 85jährigen Gedenktag an den Völkermord an anderthalb Millionen Armeniern und ei-ner halben Million aramäischer Christen im damaligen Osmanischen Reich

und aus Anlaß zweier Petitionen, die eine parlamentarische Debatte sowie Stellungnahme zum Völkermord an den Armeniern initiieren wollen: Die Petition „Völkermord verurteilen“ wurde von der „Arbeitsgruppe Anerkennung“ erarbeitet, einem Zusammenschluß von vier Organisationen, die sich seit langem für die Anerkennung bzw. Verurteilung des Völker-mordes einsetzen.

Die zweite Petition stammt vom „Verein der Völkermordgegner e.V.“, einer Initiative türki-scher Staatsbürger, die seit 1998 über zehntausend Unterschriften vor allem in der tür-kischsprachigen Gemeinschaft Deutschlands gesammelt hat. Im November 1999 übersandte der Verein die Petition nebst Unterschriften der Großen Nationalversammlung in Ankara, die aber den Empfang ablehnte. Nun wenden sich die Antragsteller an das Parlament ihres Aufent-haltslandes.

Dritter Anlaß ist der Beitritt der Türkei zur Europäischen Union.

Türkische Menschenrechtler werden nach der Pressekonferenz die Vertreter der Arbeitsgrup-pe Anerkennung sowie des Vereins der Völkermordgegner zum Deutschen Bundestag beglei-ten.

Veranstalter:

  1. Arbeitsgruppe Anerkennung (Zentralrat der Armenier in Deutschland e.V.,
  2. Koordinationsgruppe Armenien der Gesellschaft für bedrohte Völker,
  3. Informations- und Doku-mentationszentrum Armenien,
  4. Institut für Armenische Fragen e.V.)
  5. Verein der Völkermordgegner e.V.

i.A. der Veranstalter:
Dr. Tessa Hofmann


Suryoyo Online
Webmaster: Gabriel Rabo
Updated: 31.03.2000
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