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Die Heilige Synode der Syrisch-Orthodoxen Kirche
tagte in Damaskus

Gabriel Rabo


Mitglieder der Heiligen Synode mit dem Patriarchen

Die traditionelle Heilige Synode tagte wie immer auf Einladung des Patriarchen von Antiochien und des Vorsitzenden der Heiligen Synode, Seiner Heiligkeit Mor Ignatius Zakka I. Iwas, vom 22-26.9.1998 im 1996 neu erbauten Theologischen Patriarchal-seminar Mor Ephrem in M‘arat Saydnaya bei Damaskus. Daran nahmen 19 der 22 Metropoliten und Patriarchalvikare[1]  der Diözesen der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien teil. Auf der Tagesordnung standen diesmal vor-nehmlich drei Hauptthemen über die kanonisch-juristischen Statuten der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien.

Die Heilige Synode - so die offizielle Bezeichnung der Bischofskonferenz der syrischen Kirche - wurde am 22. September von Patriarch Mor Ignatius Zakka Iwas mit einem Gebet aus der Pentekosteliturgie, der Herabkunft des Heiligen Geistes (Pfingsten), feierlich eröffnet. In seiner Ansprache ging der Patriarch dabei auf die wichtige Rolle der Kirche im Dienst ihrer Gläubigen ein, die als die göttliche Institution zu verstehen sei, alles, was sie besitze, habe seinen Ursprung aus den himmlischen Gaben. Dann fügte er im bezug auf die Kirchenautorität und die damit verbundenen aktuellen Statuten hinzu, daß die im Dienst der Kirche und der Menschen stehenden Kleriker, wie Paulos dies im Hebräerbrief schreibt, auf das Gesetz hin-gewiesen seien. Das Gesetz selbst sei der Richter und die Demokratie sei das Urteil des Gesetztes und der Kanones. Also richtete und leitete allein dieses Gesetz, das unter den Klerikern und Gläubigen zu verbreiten sein solle, die Menschen, sprach der Patriarch. Anschließend bekräftigte er den Apostoli-schen Glauben, wies darauf hin, das Erbe und die Tradition der syrischen Kirchenväter zu bewahren und ermahnte jeden Bischof, nach seinem besten Gewissen zu Gunsten der Kirche zu dienen. 

Die behandelten Hauptthemen waren das Statut der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien, Satzung der Gemeinderäte aller zur Syrisch-Orthodoxen Kirche gehörenden Diözesen und Satzung des persönliches Rechts aller syrisch-orthodoxen Gläubigen. Beim Statut der syrisch-orthodoxen Kirche handelt es sich hauptsächlich um die Kirchenämter der Kleriker, nämlich des Patriarchen, der Bischöfe, Priester und Diakone auch Mönche, daneben auch um die Liturgie und um die Sakramente. Das erste Statut unter dem gegen-wärtigen Patriarchen Mor Ignatius Zakka Iwas wurde am 15.11.1981 und das zweite am 7.9.1991 bearbeitet und inkraft gesetzt[2] . Bei der Satzung der Diözesan- bzw. Gemeinderäte[3]  geht es um die Verwaltung der syrischen Diözesen und ihrer lokalen Gemeinden und um die Konstitution der Gemeinderäte. Die Satzung des persönlichen Rechts betrifft die Rechte und Pflichten der einzelnen Gläubigen, etwa wie bei der Ehe-schließung, und ihre Unterweisung im christlichen Glauben. Vor dem Inkrafttreten dieser drei Satzungen wurde ein Gremium aus juristischen Personen mit der Prüfung des Inhalts aus der Sicht des allgemeinen juristischen Profanrechts beauftragt. 

Die Heilige Synode von Antiochien hat außerdem weitere Themen behandelt und folgende Entscheidungen getroffen: 1. Die syrisch-orthodoxe Kirche soll die 800jährige Gedenkfeier für Patriarch Mor Michael Rabo (1166-1199)[4]  am 7. November 1999, an seinem Todestag, feiern. Darüber wird Patriarch Ignatius Zakka Iwas in seiner Enzyklika an die syrisch-orthodoxen Diözesen schreiben und dies offiziell bekanntgeben. 2. Hinsichtlich des 2000jährigen Jubiläums der Inkarnation Jesu Christi wird auf der internationalen syrischen Konferenz zwischen dem 25.8 bis 14.9.2000 gefeiert und daneben unter der Koordination eines Zentralkomitees[5]  auch in allen syrischen Diözesen. 3. Die ökumenische Bewegung und die Belebung des Konzils der altorienta-lisch-orthodoxen Kirchen (Syrische, Koptische und Armenische) sollen weitergeführt und die begonnenen Aktionen, getroffene Entscheidungen und Erklärungen unterstützt werden. 4. Die Bestrebungen gemäß bisheriger Beschlüsse in Zusammenarbeit mit allen Kirchen die Festlegung eines akzeptablen Datums zur Osterfeier zu finden, sollen fort-gesetzt werden. Die Syrisch-Orthodoxe Kirche feiert Ostern wie die anderen orientali-schen Kirchen seit dem ersten ökumenischen Konzil von Nicea (325) nach dem juliani-schen Kalender. Dem gegenüber feiern die lateinische und die konvertierten orientali-schen Kirchen nach dem gregorianischen Kalender, der durch Papst Gregor VIII. im Jahre 1582 eingeführt wurde[6]. 5. Der Mittwoch in der Mitte des 40tägigen Großfastens soll als Gedenktag der Märtyrer der syrischen Kirche gefeiert werden. Dieser Mittwoch ist ebenfalls der Gedenktag des aramäischen Königs Abgar Ukomo von Edessa. Die Syrische Kirche gedenkt an diesen König seit frühen Jahrhunderten, weil er das Christentum unter den Aramäern seines Reiches verbreiten ließ. 6. Das in den vergange-nen Synodalbeschlüssen außerkraft getretene Gesetz über die Ordination des Chorepiskopats soll wieder eingeführt werden. Der Chorepiskopos hat seit langem keine Amtsfunktion mehr und wird nicht als „Bischof", sondern als ranghöchster Priester an-gesehen, dessen Titel von dem Patriarchen auf Vorschlag des Metropoliten verliehen wird. In jeder Stadt darf es nur einen Chorepiskopos geben[7]. 7. Außerdem wurde von der Synode beschlossen, daß jeder Bischof sein privates Eigentum nach § 153 des Kirchen-gesetzes durch ein öffentliches Notariat bestätigen und eine Kopie des Dokuments dem Patriarchat in der nächsten Synodalsitzung vorlegen soll. 

Vor der Heiligen Synode stellte Mor Malatius Barnaba, der bisher amtierende Metropolit von Homs und Hama (Syrien), aus Gesundheits- und Altersgründen seinen Emeritie-rungs-antrag, der auch angenommen wurde. Der 76jähriger Metropolit aus Derike (Syrien) ist 1950 zum Priester und 1957 zum Bischof für Homs geweiht worden. Er ist der dienstälteste unter den Bischöfen - ein solcher hat seinen Platz während der Heiligen Synode immer rechts neben dem Patriarchen. Mor Malatius Barnaba war als Priester-mönch der Sekretär des bekannten Kirchenhistorikers Patriarch Mor Ignatius Ephrem Barsaum in Homs. 
Über den neuesten Stand der syrischen Kirche in Indien unterrichtete der Metropolit Mor Gregorius Joseph von Cochin den Mitgliedern der Heiligen Synode. Im indischen Bundesstaat Kerala, der in der syrischen Literatur als Malabar bekannt ist, leben ca. 2,5 Mio. syrisch-orthodoxe Christinnen und Christen. Es gab immer Auseinandersetzungen zwischen der patriarchattreuen und der autokephalen Kirche, die sich Anfang des 20. Jhs vom Patriarchat von Antiochien unabhängig machte. Dort regierten zwei Katholikos (Maphryone) bis zum Tode des rechtmäßigen Baselius Paulos II. († 1996)[
8]. Seitdem ist das Katholikat der patriarchattreuen, malankara syrisch-orthodoxen Kirche vakant. Um die Mißverständnisse und den Streit um das Kircheneigentum zwischen beiden Kirchen beizulegen, entschied das höchste Gericht Indiens 1995, für die syrisch-orthodoxe Kirche dort nur ein Patriarchat (das in Damaskus), einen Katholikos, ein Kirchengesetz und eine -vereinigung zu erlauben. Nun bemüht sich das syrisch-orthodoxe Patriarchat, eine Einigung zwischen beiden Parteien wiederherzustellen. 

Auf einer Synodalsitzung berichtete auch Rabban Elisha‘ al-Ne‘me über die Aktivitäten des syrischen Missionswerks in Brasilien, welches die Synode begrüßte. Diesbezüglich wurden Mor Kyrillos Afram Kerim und Mor Severius Malke Murad beauftragt, die Lage dort genauer zu untersuchen und notwendige Maßnahmen zu ergreifen. In Latein-amerika leben Syrer seit dem Ende des letzten Jahrhunderts, als die erste Auswande-rungs-welle aus Diyarbakir, Mardin - wenige kamen auch aus Tur‘Abdin - und aus weiteren Teilen Mesopotamiens Richtung Amerika begann. In Brasilien gründete der 1997 verstorbene Bischof Mor Chrysostomus Musa Salama das Missionswerk. In Brasilien gibt es zwei und in Argentinien vier syrische Kirchen. 


Welche Befugnisse hat die Heilige Synode und wie ist sie aufgebaut?

Im 7. Kapitel des Statuts der Syrisch-Orthodoxen Kirche von 1981 wird folgendes beschrieben und bestimmt:

Die Heilige Synode

  • § 99.  setzt sich aus allen zum apostolischen Stuhl von Antiochien gehörenden aktiven Metro-politen unter Führung Seiner Heiligkeit [des Patriarchen] zusammen,
  • § 100. tagt auf Einladung und unter Vorsitz Seiner Heiligkeit einmal jährlich. Wenn Seine Heiligkeit unter normalen Umständen drei Jahre die Synode nicht zu ihrer ordentli-chen Sitzung einlädt, kann sie auf eigene Initiative ihre Sitzung unter Vorsitz des dienstältesten Metropoliten abhalten.
  • § 101. Wenn es die Umstände erfordern, kann Seine Heiligkeit zu einer Generalversammlung unter Teilnahme des Metropoliten [Katholikos] Indiens einladen.
  • § 102. Wenn ein Metropolit zwei Mal in Folge ohne zwingenden Grund an den Sitzungen der Synode nicht teilnimmt, wird er verwarnt. Bei Wiederholung entscheidet die Synode über eventuelle Maßnahmen.
  • § 103.  Die Heilige Synode hat folgende Befugnisse:
    • 1°. die Wahl und die Inthronisation Seiner Heiligkeit, 
    • 2°. entscheidet über den Vorschlag Seiner Heiligkeit betreffend die Bestimmung eines Metropoliten,
    • 3°. untersucht die gegen Seine Heiligkeit und die Bischöfe eventuell gerichteten Vor-würfe und urteilt über sie,
    • 4°. überwacht die Reinheit der kirchlichen Lehre und ergreift Maßnahmen gegen häretische Aktivitäten und Verstöße gegen die kirchliche Tradition.
  • § 104. 
    • 1°. Sie kann Seine Heiligkeit dem Synodalgericht übergeben, wenn die Hälfte der aktiven Metropoliten dies durch einen begründeten Antrag beim dienstältesten Metro-politen fordert.
    • 2°. Der Prozeß wird seiner Heiligkeit eröffnet, wenn 2/3 aller Synodenmitglieder dies beantragen. 
    • 3°. Wenn die Synode innerhalb eines Monats nach Prozeßeröffnung nicht zu einem Urteil kommt, gilt seine Heiligkeit von allen Vorwürfen freigesprochen.
    • 4°. Die Verurteilung wird mit 2/3 Mehrheit rechtskräftig. Bei Schuldspruch wird der Patriarch abgesetzt und der heilige Stuhl gilt als vakant. [...]
  • § 105.  Die Synode ist mit 2/3 Mehrheit beschlußfähig. Die Beschlüsse werden mit einfacher Mehrheit verabschiedet.

Fußnoten
[1] Mor Malatius Barnaba, Metropolit von Homs und Hama (Homs/Syrien), Mor Dionysius Behnam Gaggawi (emeritiert, Irak), Mor Dioskoros Luka Sha‘ya, M. des Klosters Mor Mattay (Irak), Mor Athanasius Ephrem Barsaum, M. von Beirut und Zahle (Libanon), Mor Gregorius Saliba Shem‘un, M. von Mosul (Irak), Mor Julius Yeshu‘ Cicek, M. von Mitteleuropa (Kloster Mor Ephrem/Holland), Mor Philoxenos Matta Shem‘un, M. der Patriarchalen Institutionen (‘Atshane/Libanon), Mor Theophilos George Saliba, M. von Tur Lebnon (Bouchrieh/Libanon), Mor Severius Isaak Saka, Patriarchalvikar für die akademischen Syrischen Studien (Mosul/Irak), Mor Timotheus Samuel Aktas, M. vom Tur‘Abdin (Kloster Mor Gabriel/Türkei), Mor  Philoxenos Yusuf Cetin, PV von Istanbul (Türkei), Mor Julius ‘Abdulahad Shabo, M. von Schweden und Skandinavien (Södertalje), Mor Ostatheus Matta Rohom, M. von Jazirah und Euphrat (Hassake/Syrien), Mor Klemis Augin Kaplan, PV vom Westen der USA (Los Angelos), Mor von Kyrillos Ephrem Karim, PV vom Osten der USA (New Jersy), Mor Dioskoros Benjamen Atas, PV von Schweden (Södertalje), Mor Severius Malke Murad, PV vom Heiligen Land und Jordanien (Kloster Mor Markus/Jerusalem), Mor Dionysius Isa Gürbüz, PV von Deutschland (Kloster Mor Jakob v. Sarug/Warburg) und Mor Iwannis Bulus al-Souky, PV von Damaskus (Syrien). Verhindert waren Mor Severius Hawa von Bagdad und Basra, Mor Gregorius Hanna Ibrahim von Aleppo und Mor Timotheus Ephrem ‘Abude von Kanada.
  [2] Veröffentlicht in: Magalla al-Batriarkiyya, The Patriarchal Journal of the Syrian Orthodox Patriarchate of Antioch and all the East, Bd 29, (Damaskus 1991), 471-504 (arab.), 505-554 (syr.).
  [3] Die zuletzt am 25.2.1984 inkraftgetretene Satzung aller syrischen Gemeinderäte wurde veröffentlicht in: Kolo Suryoyo 1987, 49-53; die Satzung der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien in Deutschland ebenso in: Kolo Suryoyo 1987, 125-131 (beide dt. Übers.).
  [4] Der Patriarch, der im Westen als Michael der Große oder der Syrer bekannt ist, wurde 1126 in Militene (türk. Malatya) geboren. Er war Abt des Klosters Mor Barsaumo in Tur Urhoi, wo er später auch als Patriarch residierte und die Fürsorge seiner Bibliothek trug. Im Kloster Pesqin wurde er zum Patriarchen von Antiochien gewählt und am 18.10.1166 im Kloster Za‘faran inthronisiert. Nach 33 Regierungsjahren als Patriarch ist er im Alter von 73 Jahren am 7.11.1199 gestorben. Er verfasste 12 Werke, darunter seine bekannte bis zum Jahre 1195 reichende Chronik und das Pontifikalritual (amalogia) der syrisch-orthodoxen Kirche. Außerdem war er ein herühmter Kalligraph der Bibellektionare auf Pergament. Mehr dazu siehe: Ignatius Ephrem Barsaum, al-lulu al-mantur fi tarig al-‘ulum wal-adab as-suryaniyya, Mor Ephrem Kloster/Glane 41987, 393-397; berule b-dire ‘al mardut yulfone suryoye hdire, syr. Übers. von Ph. Hanna Dolabani, Qamishly 1967, 499-502. Chronique de Michel le Syrien, J.B. Chabot (ed.), 4 Bde, Paris 1899-1919.
  [5] Besteht aus den Bischöfen Mor Athanasius Ephrem Barsaum, Mor Gregorius Hanna Ibrahim, Mor Theophilos George Saliba, Mor Eustetheus Matta Rohom und Mor Iwasnnis Bulus al-Souky
 [6] Mehr dazu siehe G. Rabo, Das Osterfest in der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien, in: Kolo Suryoyo Nr. 102, (1995), 43-48.
  [7] Früher hatte der Chorepiskopos eine Funktion als Landesbischof für die Weihe der Lektoren und für die Entscheidung der Rechtsfragen inne. Er trägt heute ein Brustkreuz und eine lilafarbige Taille sowie eine innen lilafarbige Gulto (Gebetsgewand) während des Gottesdienstes.
  [8] Rabo, G., Maphryono Mor Baselius Paulose II., in: Kolo Suryoyo, Nr. 111, (1996), 280-282.

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12.12.1998
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