Verlautbarung der Oberhäupter der Kirchen
vom 23-24.01.1998 Nikosia/Zypern 

Wir danken Gott, der uns diese Gelegenheit schenkte nach dem Jahr 1985, - wir die Oberhäupter aller vier Kirchen Familien: Die Orthodoxe, die Orientalisch Orthodoxe, die Katholische und die Evangelische- in der Woche zum Gebet für die Einheit der Christen und im Rahmen der Ökumenischen Tagung für den Nahenosten in der Residenz des Oberhaupts der Episkopat Chrysostomos in Nikosia - Zypern, noch einmal zusammen zu kommen.

Wir kommen zusammen und der Glaube an den Herrn Jesus Christus, Gott und Heiland gemäß der Heiligenschrift und wie es im Glaubensbekenntnis von Niziä und Konstantinopel steht einigt uns, um unsere Bemühungen zu erneuern, damit unsere gemeinsame Botschaft zur Ehre Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligengeistes dienlich wird.

Wir sind zusammen um den Geist der Gemeinschaft zwischen unseren Kirchen zu stärken und die Verbindungen der Zusammenarbeit zwischen den Gliedern unseren Kirchen zu stärken, teilzuhaben an die Verbreitung des Geistes der Liebe untereinander und zwischen Ihnen und ihren Mitbürgern in der Heimat. Wir versuchen eine Blick zu werfen auf das Jahr 2000, das große Jubiläumsjahr, wo wir bereit stehen mit der gesamten christlichen Welt. den Jubel des Kommens unseres Herrn Jesus Christus als Heiland und Erlöser zu feiern. Hier blicken wir auf das Heilige Land, um unsere Verbundenheit mit seiner Bevölkerung auszudrücken und den besonderen Status der Heiligen Stadt und ihre Spirualität zu bekräftigen und ermahnen die Kirchen der ganzen Welt und gesamte Weltfamilie, acht zu geben auf die Gefahr die sie umgibt und die daraus resultierenden folgen, die den ganzen Frieden in der Welt bedrohen.
 
Es ist niemand unter uns, der verkennt, daß die Existenz des Christentums auf diesem Teil der Erde Gottes  auf die Zeit Jesu zurück geht, der auf diesem gesegnete Land zur Welt kam, lebte, starb und auferstand und seine Kirche gründete und aus dieser Kirche strahlte das Licht des Evangeliums auf die Welt im Osten und im Westen.
Auf diesem Stück Erde gibt es altwürdige Kirchen mit eigener Geschichte, Kultur, Ritus, Märtyrer, Heilige, und Wissenschaftler, die die ganze christliche und humanistische Kultur, durch ihre Bücher, wissenschaftliche Abhandlungen , die sie aus der Quelle des Heiligen Evangeliums ableiteten-bereichert haben. Ihre Abhandlungen sind nach wie vor als Nachschlagewerke für alle, die sich für ihre  Lehre und Lebensweise interessieren, dieses Leben, das sie im Dienste des Evangelium gestellt haben.
Wer kann die Heilige Stadt vergessen, aus der die Kirche ihre erste Schritte tat nach dem Herabkommen des heiligen Geistes! Antiochien wo zum erstem mal die Christen Christen genannt wurden, Alexandrien und der Evangelist Markus, Zypern und die Städte von Kleinasien, in denen der Apostel Paulos wanderte und an die der Apostel Paulos die meisten seine Briefe richtete, welche ein großes Reichtum für die Christenheit darstellen. Der Herr erlaubte es, daß einige von Ihnen so geworden sind wie sie heute sind. Gott ist der Herr über die Geschichte und die Schicksale.

Wir sind hier zusammengekommen um vor Gott, dem Gewissen und vor Euch zu beraten, ob wir und ihr , unterschiedlicher Dominationen, treu der kirchlichen Botschaft, die uns durch unseren Herrn Jesus Christus anvertraut wurde, waren. wir alle glauben, daß Christus derselbe ist, Gott und Mensch, Herr und Erlöser, Hirte und Leiter im dunkelsten und schwierigsten Situationen des Lebens und ganz besonders in diesen Tagen in denen wir mit eigenen Augen erleben, wie unseren Kindern die menschlichen Grundrechte verweigert werden, so daß sie gezwungen werden auszuwandern, wie es in gefährlicher Weise im Südosten der Türkei geschieht. Wir erleben, daß die Zahl derer andernorts zunimmt, die Ihr Land verlassen um in den Westen auszuwandern in dem Glauben, sich dort verwirklichen zu können und eine bessere Zukunft für ihre Kinder planen zu können. Wir wollen nicht verschweigen, daß diese Erscheinung uns sehr trifft. Wir glauben, daß der, der den Glauben gegründet hat, Jesus Christus, uns und euch, eine Botschaft für den Osten auferlegt hat, eine Botschaft gemäß dem Wahren Evangelium.

Wir können dieser Aufgabe unmöglich gerecht werden, wenn wir nicht ein lebendiges Zeugnis sind in  der Stärkung der Beziehungen in der Liebe und der Zusammenarbeit untereinander. Wir alle sind verantwortlich für die Pfunde, die uns von Jesus Christus anvertraut wurde.
Die Pfunde des Glaubens bringen Hoffnung hervor. Der Apostel Paulos sagt: „ Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter Ihnen ist Liebe."(1Kor 13,13)
Die Aussage des Apostels Paulos ist nur ein Echo der Aussage unseres Herrn Jesus Christus der gesagt hat:" ein neues Gebot gebe ich euch : liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt."(Joh 13, 34-35). Die Liebe allein führt zur ersehnten Einheit, für die der Herr Jesus gebetet hat, und dieser geboten hat in dem er sagte: „Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir."(Joh., 17,11)

Vielleicht sagt einer: Was können wir tun, denn unsere Zahl wird immer kleiner und der Bereich unserer Botschaft wird entsprechend kleiner und die Möglichkeiten, die wir zur Verfügung haben werden immer geringer. Dies ist richtig. Und wir wollen nicht diese Botschaft, die uns von unserem Herrn Jesus Christus anvertraut wurde  mit der menschlichen Kraft allein erreichen. Das ist nicht, was von uns in unserer Lage verlangt wird. Nach unserer Überzeugung sollten wir unsere Glaubensverpflichtungen praktizieren., und das wir das werden, was der Herr wollte, das Salz, das die Speise das schmecken läßt. (Math 5, 13) und das Licht, das allen im Haus leuchtet.  (math. 5, 15) Der Sauerteig, der den ganzen Teig durchsäuert.(Math 13, 33). Die Apostel, die die ganze Welt der damaligen Zeit missioniert haben waren nur 12 Jünger. Sie predigten das, was der Herr sie lehrte zu predigen, Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit, Achtung der Menschenrechte ohne ein System gegen das andre zu hetzen oder sich auf die Seite der einen Gruppe zu stellen gegen die andere, solange alle sich nach  Recht und Gerechtigkeit richten.

Heute erleben die Christen mehrere große Schwierigkeiten, die sie fern halten aktiv im öffentlichen Leben zu sein. Dies ist was einem das Gefühl von Angst und Unruhe vermittelt. Aber diese Schwierigkeiten beschränken sich nicht nur auf die Christen. denn viele Moslem sehen, das was die Christen erleben, ist etwas was die ganze Gesellschaft umfaßt. Dies erfordert eine verstärkte Zusammenarbeit der Christen in der Wahrnehmung von Verantwortung im öffentlichen Leben durch aktive gegenseitige Hilfe von Christen und Moslem, damit wir eine Gesellschaft schaffen, die sich auf die Prinzipien von Achtung der kulturellen und religiösen Vielfalt, Bewahrung der Freiheiten und Verteidigung der Menschenrechte stützt.
Trotz der Schwierigkeiten, die die Existenz der Christen und ihr Zeugnis auf dem Prüfstein stellt, ermahnen wir unsere Gläubigen, fest im Glauben zu sein, stark in der Hoffnung, die Ihnen von Jesus gegeben worden ist. Dies bedeutet sich auf die gegenwärtige Situation einzustellen im Geist der Weisheit und Sachlichkeit fern der Irrungen und der Angst.

Dies bedeutet aber nicht die Lage zu verharmlosen, sondern die Lage ernst zunehmen  und ihr ohne Unterlaß zu begegnen. Dies erfordert mehr an Solidarität und Zusammenrücken um die Energien im Bereichen der Erziehung, Kultur, Soziales, Wirtschaft zu nutzen und Aktivierung der Rolle der Christen im Dienste der Gemeinschaft.
Wir Grüßen euch in Jesus Christus und wollen euch sagen: festigt euren Glauben an Gott, denn er ist Fürsorge und die Haare eurer Köpfe sind bei Gott gezählt. (Luk. 12,7)

Festigt die Beziehungen der Liebe und der Zusammenarbeit untereinander, denn „"Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonderheit."(Tim 2,7) Seid in Eurer Mitte Pflanzer der Versöhnung, der Eintracht und des Friedens. Paulos berichtet uns, daß schwere Zeiten auf uns zukommen: "Die Menschen werden selbstsüchtig sein, habgierig, prahlerisch, überheblich, bösartig und ohne Ehrfurcht..."(2 Tim 3,2) aber er sagt auch:" Ich, der ich um des Herrn willen im Gefängnis bin, ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging. seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe, und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammen hält." (Eph 4, 1-4)

Wir können diesen Brief nicht abschließen ohne erneut zu betonen, daß wir teilnehmen am Leid unserer Völker und an Ihrer Hoffnung nach Gerechtigkeit. Ganz besonders im Herzen des Leidens, daß durch die israelische Besatzung in Palestina, Libanon, Syrien und türkische Okkupation in Zypern hervorgerufen wird.  Es ist unbedingt wichtig wahrzunehmen in welscher dramatischen Lage sich das irakische Volk befindet durch das grausame Embargo, das über es verhängt wurde. Dieses Embargo, das Zivilisten, Kinder, alte Menschen und Kranke trifft. Wir apellieren an alle Kirchen in der Welt sich mit dem Irakischen Volk zu solidarisieren und für sein Recht in Würde zu Leben einzutreten.
Ihr geliebten, Laßt uns eine lebendige Gemeinschaft sein, deren Herz voll der biblischen Liebe ist, die keine Grenze kennt, voll des Mutes sein, um das Recht zu verteidigen und die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.


Übersetzer: Dipl. Ing. Amill Gorgis, Subdiakon in der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien in Berlin 
Web Master Gabriel Rabo
2.07.1998
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